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Mikroben: Neuen Weg der Bakterienbekämpfung entdeckt?

Infektionen durch Salmonellen und andere bakterielle Krankheitserreger könnten zukünftig vielleicht schon im Ansatz bekämpft werden, indem biochemische Signale der Mikroben unterdrückt werden. Forscher um Vanessa Sperandio vom University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas entdeckten, dass sich das – selbst ungiftige – Molekül LED209 erfolgreich dazu einsetzen lässt: Sie hatten es zuvor aus 150 000 Substanzen herausgefiltert.

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Wirkweise von LED209 | LED209 blockiert die Signalübertragung vom menschlichen Gedärm an schädliche Bakterien. Die Erreger schütten dann nicht ihre Toxine aus, und der befallene Mensch bleibt gesund – zumindest theoretisch.
Gesucht waren Moleküle, die verhindern, dass ein besonders gefährlicher Escherichia-coli-Stamm aktiviert wird und sein Gift freisetzt. LED209 blockiert nun einen Rezeptor des Bakteriums, an den normalerweise Virulenzgen aktivierende Signalstoffe aus dem menschlichen Darm andocken. Im Gegensatz zu Antibiotika verhindert das Molekül jedoch nicht, dass sich die Mikroben vermehren, und es tötet sie nicht ab – Wirkungen, die Bakterien bisweilen erst recht dazu verleiten, Toxine abzusondern, so Sperandio. Und da sie am Leben blieben, verringere sich die Wahrscheinlichkeit, dass Resistenzen ausgebildet würden, meinte die Biologin weiter.

In Tests reduzierte LED209 die Sterblichkeit von Mäusen, die mit Francisella tularensis – dem Auslöser der bei Nagern meist tödlich verlaufenden so genannten Hasenpest – infiziert wurden, um 80 Prozent verglichen mit einer Gruppe, denen das Molekül vorenthalten wurde. Erfolgreich blockiert wurden zudem Salmonellen, die starke Durchfälle auslösen können.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sehr viele weitere Bakterien auf diese Weise bekämpft werden könnten, da der als QseC bezeichnete Rezeptor häufig in Mikroben vorkommt – etwa in Legionella pneumophila, der Ursache der Legionärskrankheit, oder Haemophilus influenzae, der Infektionen der Lungen hervorruft. Als nächstes soll die Struktur und Funktionsweise des Moleküls weiter aufgeklärt werden, um daraus ein potentes Mittel gegen bakterielle Infektionen herstellen zu können. (dl)
23.08.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 23.08.2008

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