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Neuer Impfstoff: EMA gibt grünes Licht für Novavax

Er gilt als Hoffnungsträger für all jene, die sich mit mRNA-basierten Impfstoffen nicht anfreunden können. Doch Novavax bringt die typischen Nachteile dieser Impfstoffklasse mit.
Eine Teilnehmerin der Novavax-Studie erhält eine Impfdosis

In der EU dürfte schon bald ein fünfter Impfstoff gegen das Coronavirus erhältlich sein: Wie Die EU-Arzneimittelbehörde EMA nun mitteilt, empfiehlt sie, den Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax zuzulassen. Das teilte sie am Montag in Amsterdam mit. Die Zustimmung der EU-Kommission gilt als reine Formsache.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, hatte die zuständige Expertenkommission nach einer außerordentlichen Sitzung die Empfehlung ausgesprochen. Die Experten hatten bereits im länger laufenden Prüfverfahren Studien zu Wirkung und Risiken bewertet. Nach eingehender Bewertung sei der zuständige Ausschuss zu dem Ergebnis gekommen, dass »die EU-Kriterien zu Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität erfüllt werden«, teilte die EMA mit.

Die Behörde stützt sich bei ihrer Entscheidung auf zwei placebokontrollierte Studien des Novavax-Impfstoffs (Nuvaxovid), die in den USA und Mexiko sowie in Großbritannien durchgeführt wurden. Darin zeigte sich ein sehr hoher Infektionsschutz von etwa 90 Prozent. Wie stark er allerdings bei der sehr ansteckenden Omikron-Variante wirkt und wie lang die Schutzwirkung nach der zweiten Dosis anhält, ist unklar. Es habe bisher nur Fälle von milden Nebenwirkungen gegeben.

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Das Novavax-Präparat ist weder ein mRNA-Impfstoff wie die Präparate von Biontech und Moderna noch ein Vektorimpfstoff wie die von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Es enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. Sie sollen dafür sorgen, dass der Köper selbst die Produktion von Antikörpern gegen das Virus ankurbelt.

Allerdings ist Novavax – anders als die mRNA- und Vektorimpfstoffe – auf einen Wirkverstärker angewiesen. Er besteht aus Saponinen, die aus Seifenbaumextrakt gewonnen werden. Seit rund zehn Jahren wird er in Vakzinen verwendet.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass proteinbasierte Impfstoffe wie Novavax vor allem die Produktion von Antikörpern anleiern, aber kaum den zweiten Arm der Immunabwehr aktivieren, der auf T-Zellen basiert und selbst dann noch Schutz vor schweren Krankheitsfällen bietet, wenn die Antikörperantwort abgeklungen ist oder das Virus Resistenzen gegen die Abwehrmoleküle ausgebildet hat. Das erklärt womöglich auch die Ergebnisse einer Phase-III-Studie in Südafrika. Dort lag die Effektivität des Novavax-Impfstoffs gegenüber symptomatischen Sars-CoV-2-Infektionen nur noch bei 50 Prozent – womöglich, weil dort damals die Beta-Variante von Sars-CoV-2 dominierte.

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