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Sternschnuppen: Rückblick auf die Camelopardaliden

Am Morgen des 24. Mai konnten Beobachter in Nordamerika einen neuen Meteorstrom beobachten: die "Camelopardaliden". Sie sind benannt nach der Lage ihres Radianten im Sternbild Camelopardalis, der Giraffe. Die Sternschuppen stammen vom Kometen 209P/Linear. Der zog in den vergangenen Jahrhunderten unerkannt seine Bahn um die Sonne und war erst im Jahr 2004 entdeckt worden.
Der Meteorstrom der Camelopardaliden

Einen Meteorregen mit mehreren hundert Sternschnuppen pro Stunde gab es – wenig überraschend – nicht. Über die Aktivität des Kometen 209P/Linear in früheren Jahrhunderten ist nichts bekannt, aber dass er im 18., 19. und 20. Jahrhundert nicht entdeckt wurde, deutet auf eine geringe Staubproduktion in dieser Zeit hin. Visuelle Beobachtungen, gesammelt und ausgewertet von der Internationalen Meteor Organization (IMO) liefern eine vorläufige maximale Zenitrate von etwa 15 Sternschnuppen pro Stunde. Diese Zahl bezieht sich auf ideale Beobachtungsbedingungen, der von erfolgreichen Beobachtern gemessene Wert lag deutlich darunter. In Europa fand das Maximum am Tage statt und ließ sich daher nicht beobachten. Immerhin konnte Peter C. Slansky am 24. Mai 2014 gegen 4 Uhr MESZ von der Münchner Innenstadt aus einen Camelopardaliden-Meteor verfolgen und im Video festhalten.

Vorläufige Auswertung des Meteorstroms der Camelopardaliden | Der Meteorstrom der Camelopardaliden, der sein Maximum um den 24. Mai 2014 durchlief, kam maximal auf 15 Sternschnuppen pro Stunde. In Mitteleuropa war von den Camelopardaliden nichts zu sehen.

Die Zenitstundenrate liegt einen Faktor zehn unter dem, was optimistische Prognosen vorab hatten hoffen lassen. Wesentlich ausgeprägter zeigte sich der Strom allerdings im Radiobereich: Das Canadian Meteor Orbit Radar (CMOR) registrierte rund 100 Meteore, die höchstwahrscheinlich vom Kometen 209P/Linear stammten. Allerdings waren diese Staubteilchen zu klein, um für auch für sichtbare Leuchterscheinungen zu sorgen, berichtete Peter Brown von der University of Western Ontario: "Der Strom war im Radio recht stark, lieferte allerdings fast ausschließlich schwache Echos – er enthielt vor allem schwache Meteore von sechster bis siebter Größenklasse."

Erst vor wenigen Monaten hatten Browns Kollegen Quanzhi Ye und Paul Wiegert eher helle Meteore für wahrscheinlich gehalten. Im Radiowellenbereich konnte sich der Strom der Camelopardaliden mit dem Ausbruch der Draconiden-Meteore im Oktober 2011 messen. Unter den übrigen am 24. Mai aktiven Meteorströmen war der Neuling an diesem Tag der aktivste. Die in eine Himmelskarte eingetragenen CMOR-Daten zeigen den Radianten der Camelopardaliden in der Nähe des Polarsterns sehr deutlich. Die Camelopardaliden wiesen zudem eine recht langsame Geschwindigkeit auf. Diese Langsamkeit könne dafür verantwortlich sein, dass viele Meteore zu schwach für eine Sichtung waren, meint Kelly Beatty von der Zeitschrift Sky&Telescope: "Mit 20 Kilometer pro Sekunde fällt ein Staubteilchen mit 0,1 Gramm in der Erdatmosphäre kaum auf – doch mit 60 Kilometer pro Sekunde, also der typischen Geschwindigkeit eines Meteors der Perseiden im August, erzeugt es einen -1 mag hellen Meteor."

Wie von verschiedenen Forschern berechnet, traf das Maximum des Stroms zwischen 6:00 und 8:00 Uhr UTC ein (8:00 und 10 Uhr MESZ). In den IMO-Daten ist zudem ein Einbruch der Fallrate bei etwa 7:00 Uhr UTC zu erkennen. Dieser wurde auch von Peter Jenniskens und seinen Mitarbeitern vom des SETI-Instituts in Kalifornien registriert, welche die Camelopardaliden von einem extra dafür gecharterten Flugzeug aus beobachteten. Möglicherweise deutet der Einbruch bei 7:00 Uhr UTC auf eine geringe Staubkonzentration in den Staubwolken der Jahre 1873 bis 1903 hin. Auch wenn sich angesichts der niedrigen Fallraten manche Beobachter in Nordamerika enttäuscht zeigten (und das Internet mit einer Fülle seltsamer Fotos fluteten, die nicht einmal Meteore, geschweige denn Camelopardaliden zeigten) – ist es eine gute Nachricht, dass ein neuer Meteorstrom erfolgreich vorhergesagt werden konnte.

Ein regelmäßiger Eintrag im Astronomenkalender werden die Camelopardaliden wohl nicht sein. Erst 2022 oder 2045 könnte es zu Ausbrüchen dieses Stroms kommen, vielleicht aber auch schon früher: "Unsere besten Meteore sahen wir gegen Ende des Flugs, als sich die Erde durch relativ junge Staubwolken des Kometen aus den Jahren 1909 bis 1919 bewegte. Bestätigt sich dieses Ergebnis, könnte es 2019 interessant werden, wenn wir uns der Staubwolke aus dem Jahr 2009 nähern," meint Jenniskens.

Die Auswertung der Beobachtungsdaten vom Boden und aus der Luft läuft, abschließende Ergebnisse werden in den kommenden Monaten erwartet. Der schwache, nur wenig aktive Komet 209P/Linear nähert sich derweil noch bis zum 29. Mai der Erde. Genau um 09:51 MESZ wird er an diesem Tag unseren Planeten in einem Abstand von nur 8,3 Millionen Kilometer passieren – das entspricht dem 22-fachen Abstand von der Erde zum Mond. Die Passage ist damit einer der engsten Kometenvorbeiflüge in der Geschichte. Mit einer Helligkeit von 11 mag ist der Komet aber eher etwas für ambitionierte Beobachter.

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