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News: Neuer Mitspieler

Methan und Kohlendioxid - zwei Gase mit schlechtem Ruf, sofern es um Klimafragen geht. Die riesigen Flächen der sibirischen Moore beherbergen beides: Methan geben sie ab, Kohlendioxid speichern sie. Noch ist die Kohlenstoffbilanz aus beiden Prozessen vorteilhaft für das Klima - noch.
Welche Prozesse läuteten das Ende der letzten Eiszeit ein? Eine Frage, auf die es bisher viele unsichere Antworten gibt. Ein Puzzlestück des Ganzen sind dabei verblüffend hohe Methanwerte, die sich in 11 000 Jahre altem Eis – einem Klimaarchiv der Atmosphäre – finden. Jenes hochwirksame Treibhausgas könnte, zumal in solch großen Konzentrationen, entscheidend zum Aufwachen aus dem Winterschlaf beigetragen haben. Nur: Woher stammte das Methan? Aus sich ausdehnenden Feuchtgebieten in den Tropen? Oder von den Tiefen des Meeresgrundes?

Auch, aber nicht nur, meinen nun Larry Smith und Glen MacDonald von der University of California in Los Angeles. Denn sie bringen einen weiteren, ihren Berechnungen zufolge kräftigen Mitspieler in das globale Klimageschehen ein: die riesigen Moorflächen Sibiriens, die eine Fläche von 600 000 Quadratkilometern bedecken – das entspricht beinahe der Iberischen Halbinsel – und damit die größte zusammenhängende Moorlandschaft der Welt darstellen. Rechnet man Moore mit weniger als 50 Zentimeter Mächtigkeit noch dazu, verdoppelt sich das Areal sogar.

Zusammen mit ihren Mitarbeitern werteten die Wissenschaftler 87 Bohrkerne aus diesen Flächen des Westsibirischen Tieflandes zwischen Ural und Jenissei aus und ergänzten die Daten durch zahlreiche weitere Angaben aus der Literatur und von Kollegen. Und die Messungen zeichnen ein deutliches Bild: Vor 11 500 bis 9000 Jahren dehnten sich die dortigen Moorlandschaften rapide aus – zeitgleich mit dem drastischen Anstieg der Methangehalte in der Atmosphäre. Bisher hatten Wissenschaftler einen solchen schnellen Vorstoß in Sibirien für unwahrscheinlich gehalten, da parallel dazu in Nordamerika zu jener Zeit von Mooren noch nicht viel zu sehen war. Doch lagen die klimatischen Bedingungen auf den beiden Nordkontinenten offenbar unterschiedlich genug, um in Sibirien eine andere Entwicklung zu ermöglichen.

Als die Forscher nun mithilfe der Daten die Methanabgabe der Flächen berechneten, kamen sie auf 0,3 bis 14 Millionen Tonnen Methan pro Jahr allein aus dem Westsibirischen Tiefland. Doch könnten die Werte sogar das Sechsfache betragen, da damals andere Pflanzen in den Gebieten vorherrschten. Und würde man zusätzlich noch ähnliche Landschaften in Zentral- und Ostsibirien berücksichtigen, käme noch einmal der Faktor drei hinzu.

Gleichzeitig aber pusten Moore nicht nur Treibhausgase in die Luft, sie dienen auch als Speicher, indem sie Kohlendioxid in Biomasse verwandeln, das aber durch den nur unvollständigen Abbau nicht im selben Umfang wieder freigesetzt wird. Und bisher, so zeigen die Messungen und Berechnungen der Forscher, wirken die sumpfigen Landschaften mehr als Senke denn als Quelle: Über 70 Milliarden Tonnen Kohlenstoff haben sich mindestens seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit in den Mooren abgelagert – das entspricht bis zu einem Viertel des seither an Land angesammelten Kohlenstoffs.

Allerdings könnte die Klimaveränderung diesem Speicher schwer zusetzen und letztendlich doch in eine Quelle umwandeln. Denn noch liegen die Kohlenstoffvorräte vielfach sicher im Permafrost oder in wassergesättigten Böden – ein Auftauen des eisigen Vorratsschrankes oder mehr Sauerstoff für die Mikroorganismen im Boden würden den Abbau jedoch erheblich beschleunigen. Zwar ginge damit auch der Methanausstoß zurück, doch die Forscher befürchten, dass die erhöhte Kohlendioxidabgabe die Methanbegrenzung mindestens aufwiegen, wenn nicht sogar übersteigen dürfte. Und erste Anzeichen für wärmere Verhältnisse in jenen Gebieten gibt es durchaus.

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