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News: Neuer Weg zur Verhütung resistenter Staphylococcen-Infektionen

Die besorgniserregende Zunahme Antibiotika-resistenter bakterieller Krankheitserreger läßt immer mehr präventive Maßnahmen in den Vordergrund der medizinischen Forschung treten. Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe gelang es, einen Oberflächenbestandteil des Krankenhauskeims Staphylococcus aureus zu charakterisieren, der als Impfstoff gegen dieses Bakterium benutzt werden kann. Staphylococcen gehören zu den häufigsten Ursachen von im Krankenhaus erworbenen Infektionen.
Um neue Impfstoffe zu gewinnen, werden unter anderem Moleküle genutzt, die aus im Labor kultivierten Bakterien isoliert wurden. Da das Bakterienwachstum während einer akuten Infektion aber vielleicht anders verlaufen könnte, als unter solchen Laborbedingungen, suchten Wissenschaftler nach bakteriellen Produkten, die vor allem während einer Infektion auftreten.

In einer Veröffentlichung in Science vom 28.5.1999 wird ein erfolgreiches Resultat dieser Suche beschrieben: Der aus einem polymeren Zuckernetzwerk bestehende Stoff, Poly-N-Succinyl-ß-1-6-Glucosamin (PNSG) wird von vielen Staphylococcen-Stämmen überwiegend während der durch sie ausgelösten Infektionen gebildet, nicht jedoch bei der Aufzucht der Bakterien im Labor.

Die Wissenschaftler der Harvard Medical School und der Universität Tübingen isolierten das lösliche Molekül aus infiziertem Zellgewebe von Menschen und Mäusen und injizierten es dann in Kaninchen. Die Tiere produzierten daraufhin über einen Zeitraum von acht Monaten eine große Menge von PNGS-Antikörpern. Mit diesen Antikörper impften die Wissenschaftler wiederum Mäuse, die dann acht verschiedenen Stämmen von Staphylococcus aureaus ausgesetzt wurden. Darunter befanden sich auch Bakterienstämme, die zum Beispiel völlig resistent gegen das Antibiotikum Methicillin und teilweise resistent gegen Vancomycin sind. Keine der Mäuse erkrankte.

Die Wissenschaftler hoffen darauf, daß der Impfstoffkandidat gegen typische Staphylococcen-Infektionen eingesetzt werden könnte: Dazu zählen Endokarditis (Herzklappenentzündung) oder Sepsis (Blutvergiftung) bei Krankenhauspatienten. Weiterhin wäre zum Beispiel ein Einsatz gegen Lungeninfektionen bei Mukoviszidose-Patienten und Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses bei Mensch und Tier erworben werden, möglich.

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