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News: Neues aus der Wüste Gobi

In der Wüste Gobi befindet sich eines der reichsten Fossilienvorkommen der Erde, aus welchem immer neue interessante Funde hervorgehen. Jetzt wurden neue Exemplare von Deltatheridium, einem frühen Verwandten der Beuteltiere, entdeckt, die unerwartete Rückschlüsse auf die evolutionäre Entwicklung der heutigen Beuteltiere und Plazenta-Säugetiere erlaubt.
Die Fossilien wurden in Ukhaa Tolgod in der mongolischen Wüste Gobi in Zentralasien während einer gemeinsamen Expedition des American Museum of Natural History und der Mongolian Academy of Sciences entdeckt. Die anatomischen Eigenschaften der neuen Funde erlauben den Wissenschaftler zum ersten Mal eine Definition der Charakteristika, die für Beuteltiere und ihren Stammbaum einzigartig sind.

Beuteltiere – zu denen unter anderem Opossums, Känguruhs und Koalabären gehören – repräsentieren einen der drei Hauptzweige der heute lebenden Säugetiere. Die beiden anderen Gruppen sind die Kloakentiere, von denen nur das Schnabeltier und der Ameisenigel bekannt sind und die Plazentatiere, zu denen die meisten heute lebenden Säugetieren gehören, unter ihnen der Mensch. Das Alter von Beuteltier-Fossilien reicht zwar teilweise sogar bis ins Mesozoikum – das Zeitalter der Dinosaurier – zurück, trotzdem hatten Wissenschaftler Probleme damit, ihre Evolutionsgeschichte zu rekonstruieren, weil bisher nur sehr bruchstückhafte Funde aus dieser Gruppe existieren.

Die beiden neu entdeckten Deltatheridium-Exemplare, die ungefähr 80 Millionen Jahre alt sind, helfen, entscheidende Lücken in den frühesten Stadien der Evolutionsgeschichte zu füllen. Das erste Exemplar ist das Fossil eines erwachsenen Tieres mit einem fast vollständig erhaltenen Schädel, Kiefern und Armknochen. Der zweite Fund ist ein jugendliches Exemplar mit ebenfalls nahezu kompletten Kiefern, verschiedenen Schädelknochen und mehreren weiteren Körperknochen. Deltatheridium war ein Opossum-artiges Säugetier mit sehr scharfen Molaren und langen Eckzähnen, was darauf hindeutet, daß er möglicherweise ein Fleischfresser war. Mit einem fast fünf Zentimeter langen Schädelknochen war Deltatheridium ein relativer Riese in der Liliputaner-Welt der Mesozoikum-Säugetiere. Zu seiner Nahrung gehörten wahrscheinlich Eidechsen und andere frühe Säugetiere. Eines der Fossilfunde enthielt noch das zermahlene Fragment eines Säugetierschädels – da zerbrochene Überreste in Uhkaa Tolgod sehr selten sind, wäre es möglich, daß es sich dabei um die letzte Mahlzeit des Deltatheridium handelt.

Der Fundort des Deltatheridium in Zentralasien deutet darauf hin, daß moderne Beuteltiere, die heute meistens in Südamerika und Australien leben, möglicherweise aus einer Linie abstammten, die ursprünglich aus Asien kommt.

Vor der Entdeckung debattierten Wissenschaftler ob Deltatheridium der Plazenta- oder der Beuteltier-Linie zugeordnet werden muß. Eine Untersuchung der neuen Fossilien zeigt eindeutig, daß der Deltatheridium ein früher Verwandter der Beuteltiere ist, tatsächlich sogar einer der frühesten Beuteltierverwandten, der je entdeckt wurde.

Einige der Eigenschaften, die Deltatheridium mit modernen Beuteltiere gemeinsam hat, sind ein großer knochiger Fortsatz auf der Rückseite des Kiefers, an dem die Kaumuskeln befestigt sind, sowie ein ausgeprägtes Muster von Öffnungen im Schädel für die Blutzirkulation. Es fehlen ihm jedoch viele andere Eigenschaften, die sich in modernen Beuteltieren entwickelt haben.

Das in Ukhaa Tolgod gefundene jugendliche Exemplar ist besonders wichtig, weil es starb, als sich gerade seine Erwachsenenzähne herausbildeten. So ist es möglich, die Reihenfolge zu beurteilen, in der die Zähne wuchsen. Die Analyse des Zahnersatzmusters stellt eines der stärksten Argumente für eine enge Verbindung zwischen diesem Tier und modernen Beuteltieren dar. Im Gegensatz zu anderen Säugetiergruppen ersetzen die Beuteltiere nur einen Zahn nach der Geburt, den letzten Prämolar. Der jugendliche Deltatheridium weist genau dieses äußerst charakteristische Zahnersatzmuster auf.

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