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Neurowissenschaften: Neuronale Grundlagen von Depressionen weiter entschlüsselt

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Die Schaltkreise im Gehirn, die bei der Verarbeitung negativer Ereignisse aktiv sind, arbeiten bei gesunden Menschen und solchen mit klinischen Depressionen sehr unterschiedlich. Dies fanden Tom Johnstone von der Universität von Wisconsin in Madison und Kollegen in einer Studie mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomografie heraus.<7p>

Die Wissenschaftler hatten 18 Gesunden und 21 Probanden mit Depressionen Bilder vorgelegt, die emotional positiv oder negativ belegt waren. Vier Sekunden nach der Betrachtung jedes Bildes wurden die Versuchsteilnehmer gebeten, ihre Gefühlsantwort bewusst zu steigern oder zu mindern, und währenddessen wurde die neuronale Aktivität tomografisch gemessen.

Deutliche Unterschiede zwischen den beiden Probandengruppen stellten die Forscher besonders im Zusammenspiel dreier Hirnbereiche fest: Präfrontaler Kortex (PFK), ventromedialer präfrontaler Kortex (VMPFK) und Amygdala – eine Hirnregion, die entscheidend an der Erzeugung von Emotionen beteiligt ist. Schwächten die psychisch gesunden Probanden die Negativemotionen ab, war der PFK linksseitig aktiv und hemmte – vermittelt durch den VMPFK – die emotionale Antwort der Amygdala. Bei den Depressiven war der PFK hingegen beidseitig aktiv, aber nicht an der Regulierung der Amygdala beteiligt. Zusätzlich lag eine positive Assoziation zwischen VMPFK und der Amygdala vor – die emotionale Antwort konnte demnach nicht bewusst abgeschwächt werden, interpretieren die Forscher.

Es sei wichtig, Hirnregionen zu identifizieren, die mit pathologischen Gefühlslagen verbunden seien, so Johnstone. Dadurch würden die Mechanismen von depressiven Erkrankungen deutlicher und Ansatzpunkte für therapeutische Maßnahmen geschaffen. Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass der Spiegel des Stresshormons Kortisol das Zusammenspiel von Amygdala und VMPFK mit beeinflusst. (lp)

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