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Nikotinsucht: Nichtraucher durch geschädigte Hirnregion

Schäden an der Insula – einem Bereich der seitlichen Großhirnrinde – bewahren möglicherweise vor Nikotinsucht. Diese Zufallsentdeckung haben Wissenschaftler von der Universität von Iowa in Iowa City bei einem Patienten gemacht, der zuvor etwa 40 Zigaretten am Tag konsumiert hatte.

Überraschenderweise hatte der starke Raucher von einem Tag auf den anderen mit seiner Gewohnheit aufgehört, nachdem ein Schlaganfall seinen Insellappen geschädigt hatte. Sein Körper hätte den Drang zur Zigarette "vergessen", erklärte er seinen Ärzten.

Daraufhin untersuchten die Forscher um Antoine Bechara 69 weitere Patienten mit Hirnschäden, die zuvor Raucher gewesen waren. Dabei zeigte sich, dass 13 von 19 Personen mit einer geschädigten Insula zu Nichtrauchern geworden waren. Bei zwölf von ihnen war die Sucht schlagartig verschwunden. Bei anderen Hirnschädigungen trat der Effekt nicht so stark auf.

Die unterhalb des Frontal-, Scheitel- und Schläfenlappen liegende, münzgroße Insula ist an der Wahrnehmung chemischer Reize sowie der Verarbeitung von Gefühlen beteiligt. Die Wissenschaftler spekulieren nun, ob sich Bereiche dieser Hirnregion bei Süchtigen durch transkranielle Magnetstimulation gezielt ausschalten lassen – insbesondere, weil bei den untersuchten Patienten überlebenswichtige Bedürfnisse wie Nahrunsgaufnahme nach wie vor normal auftraten. Allerdings dringt die heutige Technik nicht tief genug ein. Außerdem, so gibt Bechara zu Bedenken, sei nicht klar, welche weiteren Verhaltensweisen durch einen solchen Eingriff beeinträchtigt wären. (aj)
27.01.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27.01.2007

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