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News: Nie war es so groß wie heute

An Berichte über den Ozonabbau in der Atmosphäre ist mittlerweile wohl jeder gewöhnt. Dieses Jahr allerdings ist das Ozonloch rekordverdächtig: Vorläufige Satellitendaten zeigen, daß es die größten Ausmaße erreicht hat, die jemals gemessen wurden. Mit einer Ausdehnung von 27,3 Millionen Quadratkilometern schlägt es sogar den bisherigen Rekord vom 7. September 1996 um 1,3 Millionen Quadratkilometer.

Zwischen Mitte August und Anfang Oktober 1998 wurde die Ozonschicht mit dem Total Ozone Mapping Spectrometer (TOMS) an Bord des Earth Pobe (TOMS-EP) Satelliten der NASA und mit dem Solar Backscatter Ultraviolet Instrument (SBUV) auf dem Satelliten NOAA-14 neu vermessen. Am 19. September erreichte die Ausdehnung des Ozonlochs eine Rekordgröße von 27,3 Millionen Quadratkilometern. Auch trat der Ozonverlust dieses Jahr schon Mitte August auf – zwei Wochen früher als gewöhnlich.

Zudem ist das diesjährige (Animation) nicht nur das größte antarktische Ozonloch, das jemals beobachtet wurde, sondern auch eines der tiefsten: Am 30. September 1998 betrug die Ozonkonzentration in der Atmosphäre über der Antarktis nur noch etwa 90 Dobson – fast so niedrig wie der geringste Wert, der dort bisher gemessen wurde: 88 Dobson am 28. September 1994. Dobson-Einheiten sind das Maß für die Dicke der Ozonschicht bei dem Druck, der auf der Erdoberfläche herrscht. Unter diesen Bedingungen würde die Schicht, deren tatsächliche Höhe einige Kilometer beträgt, auf ungefähr 3 Millimeter zusammengedrückt werden – was einer "gesunden" Dicke von etwa 300 Dobson entspricht.

Größe und Tiefe des Ozonlochs variieren von Jahr zu Jahr, abhängig von den herrschenden meteorologischen Bedingungen. Wissenschaftler vermuten, daß die starke Abnahme 1998 auf ungewöhnlich niedrige Temperaturen in den mittleren südlichen Breiten und an den Polen zurückzuführen ist. Die Kälte hat zu einer höheren Aktivität von reaktionsfreudigem Chlor geführt, die wiederum zu höheren Ozonverlusten führte, erklärt Alvin Miller von den National Centers for Environmental Prediction (NCEP).

Eine der schlimmsten Sorgen, die ein Loch dieser Größe auslöst, ist die Befürchtung, daß es "aufbrechen" könnte. Die Luftschichten mit geringer Ozonkonzentration würden sich dann mit "gesunden" Schichten mischen. Ein solcher Vorgang könnte die Ozonkonzentrationen über den gesamten mittleren Breiten der südlichen Hemisphäre reduzieren, was unter anderem zu einer höheren ultravioletten Einstrahlung in diesem Gebiet führen würde.

Für die jährlichen Ozonverluste sind vor allem Chlor und Brom verantwortlich, die von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKWs) und Halonen freigesetzt werden. Im Montreal Protocol wurde im Jahr 1987 beschlossen, den Ausstoß von Substanzen zu begrenzen, die zur Zersetzung der Ozonschicht führen. In der Folge dieses Beschlusses haben die Chlorkonzentrationen aus FCKWs in der unteren Atmosphäre schon ihr Maximum überschritten. In der antarktischen Stratosphäre sollen sie jedoch erst in einigen Jahren ihren Höchstwert erreicht haben.

Ozonverluste durch FCKWs und andere Chlorverbindungen werden sich erst zur Mitte des nächsten Jahrhunderts hin verringern. Daher ist es wahrscheinlich, daß sich auch in den nächsten Jahren noch ein Ozonloch von beträchtlicher Ausdehnung und Tiefe bilden wird, erklärt Paul Newman vom Goddard Space Flight Center der NASA. "Die Verringerung von Chlor in der Atnosphäre ist, als wenn man einen kleinen Luftverbesserer benutzt, um die Luft in einer Sporthalle zu reinigen – es wird sehr, sehr lange dauern."

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