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Niltal: Als Gewalt unter Jägern und Sammlern aufflammte

Viele Tote auf einem steinzeitlichen Friedhof im Sudan waren zu Lebzeiten versehrt. Anders als bislang vermutet, gab es offenbar regelmäßig Überfälle zwischen Jägern und Sammlern.
Zwei Tote vom Friedhof Jebel Sahaba. Wie für diese Zeit üblich, waren die Toten auf der Seite liegend bestattet worden. Die Bleistifte deuten auf Fundstellen von Steinprojektilen hin.Laden...

Das Leben im Niltal war vor mehr als 13 400 Jahren von regelmäßiger Gewalt geprägt. Das ergab eine Detailstudie an den Toten vom Friedhof Jebel Sahaba (Nordsudan), deren Gebeine von einer Vielzahl auskurierter, aber auch nicht verheilter Wunden gezeichnet sind. Isabelle Crevecoeur von der Université de Bordeaux und ihr Team gehen davon aus, dass damals verschiedene Gruppen von Jägern und Sammlern sich gegenseitig überfielen und bekriegten. Zuvor vermuteten Experten, dass die Gewaltspuren an den Toten von einem einzigen Ereignis herrührten. Wie die Wissenschaftlergruppe im Fachblatt »Scientific Reports« schreibt, deutet der anthropologische Befund auf wiederholte Kämpfe hin, insbesondere mit Fernwaffen wie Speeren und Pfeilen. Auslöser der Auseinandersetzungen könnte ein Ressourcenmangel gewesen sein, der auf den Klimawandel am Beginn des Holozäns zurückgehe.

Der steinzeitliche Friedhof von Jebel Sahaba liegt heute am Grund des Nasser-Stausees. Um Fundplätze vor dem steigenden Wasser zu retten, hatten Archäologen 61 Bestattungen in den 1960er Jahren frei gelegt. Damals registrierten die Ausgräber zahlreiche Steinspitzen, die in Knochen steckten. Ihres Erachtens waren ungefähr 20 Verstorbene durch Gewalteinwirkung zu Tode gekommen. Unklar war aber, ob die Verletzungen von einer oder mehreren Auseinandersetzungen stammten – und damit auch, wie gewaltsam das Leben der Jäger und Sammler jener Zeit war. Oft wird vermutet, dass Krieg und Gewalt unter Menschen erst mit Beginn von Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit anstieg.

Steinspitze im KnochenLaden...
Steinspitze im Knochen | In der Vergrößerung zeigt sich deutlich, dass in diesem Hüftknochen eine Steinspitze versenkt liegt. Sie dürfte von einem Pfeil oder Ähnlichem stammen.

Die Forschergruppe um Crevecoeur hat nun die 61 Skelette von Jebel Sahaba mikroskopisch untersucht – und an 21 weiteren Schnittkerben und versenkte Steinspitzen entdeckt. Insgesamt hat das Team etwas mehr als 100 bislang unbekannte Spuren an den Knochen dokumentiert. Nach Ansicht der Forschergruppe war ein Teil im Nahkampf verursacht worden, ein anderer durch Speer- oder Pfeilspitzen. Ein Viertel der Verstorbenen weist Verletzungen auf, die sowohl zu Lebzeiten noch verheilt waren als auch keine Anzeichen einer Wundheilung zeigten. Versehrt waren Frauen wie Männer, Kinder wie Erwachsene. Auch weil der Friedhof über längere Zeit genutzt wurde, schließen die Anthropologen aus, dass die Toten allesamt Opfer eines kriegerischen Ereignisses geworden sind. Dagegen sprechen auch die verheilten Wunden. »Die meiste [Gewalt] dürfte das Ergebnis von Scharmützeln, Überfällen oder Hinterhalten gewesen sein«, vermuten Crevecoeur und ihre Kollegen.

Der Fundort ist einer der frühesten Belege für gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Gruppen von Jägern und Sammlern. Offenbar bekriegten sie sich ähnlich wie die vor zirka 12 000 Jahren entstehenden Bauernkulturen. Als Grund für die Auseinandersetzungen sehen die Forscher klimatische Veränderungen am Ende der letzten Eiszeit. Die Konkurrenz um bewohnbare Gebiete, die genügend Nahrung abwarfen, dürfte für häufige Konflikte zwischen den verschiedenen Gruppen von Jägern und Sammlern gesorgt haben. Aus dem Niltal sind mehrere Kulturgruppen nachgewiesen, die nach der Machart ihrer Steingeräte unterschieden werden.

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