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Mosul: Kriegsreliefs des assyrischen Königs Sanherib in Ninive entdeckt

Bei Restaurierungen in Ninive haben Archäologen 2700 Jahre alte Palastreliefs mit Kriegsszenen entdeckt, verbaut in einem Stadttor. Warum die Platten als Baumaterial endeten, darüber rätseln die Ausgräber noch.
Grabungen in Ninive
Irakische und amerikanische Archäologen legen 2022 die Reliefs am Mashki-Tor in Ninive frei. Die Fundstätte befindet sich im irakischen Mosul. Von 2014 bis 2017 war die Stadt in der Hand der terroristischen Miliz Islamischer Staat.

Mit einem Bulldozer planierten IS-Kämpfer 2016 das assyrische Mashki-Tor in Ninive, einer berühmten Fundstätte am Tigris im irakischen Mosul. Nun haben Archäologen bei der Restaurierung der Toranlage unerwartet 2700 Jahre alte Steinreliefs entdeckt. Wie die irakischen und US-amerikanischen Ausgräber in einer Pressemitteilung berichten, stammen die sieben gut erhaltenen Bildwerke vermutlich aus dem ehemaligen Palast von König Sanherib, der von 705 bis 681 v. Chr. über das neuassyrische Reich mit seiner Hauptstadt Ninive herrschte. Die Forscher um Michael Danti vom University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology beschreiben den Fund als eine der wichtigsten Entdeckungen assyrischer Monumente seit dem 19. Jahrhundert.

Auf den Reliefs sind assyrische Feldlager, Bogenschützen und Kriegsgefangene dargestellt – vor einer Landschaftskulisse mit Bergen, Palmen und Weinreben. »Diese Szenen zeigen Feldzüge«, erklärt Archäologe Danti, der auch Leiter des Restaurierungsprojekts »Iraq Heritage Stabilization Program« in Ninive ist. Eine Inschrift auf einer der Platten bezeichnet eines der Feldlager im Bild als Militäranlage des Sanherib. Der König hatte um 700 v. Chr. zahlreiche Feldzüge geführt und das neuassyrische Reich ausgedehnt: Unter seiner Herrschaft erstreckte es sich von der Levante über Ostanatolien bis nach Mesopotamien. Ninive machte er zur Hauptstadt. Zudem ließ er den Ort mit Mauern und 18 Toranlagen befestigen, darunter das Mashki-Tor unweit des Tigris.

Feinarbeit | Archäologe Michael Danti vom University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology reinigt eines der neu entdeckten Reliefs in Ninive.

Die Reliefs sind im Mashki-Tor so verbaut, dass die Bilder um 90 Grad gekippt sind. Offensichtlich war das Tor also nicht der ursprüngliche Anbringungsort der Platten. »Sie wurden wahrscheinlich nach Sanheribs Regierungszeit von dessen berühmtem Südwestpalast zum Mashki-Tor gebracht, um sie dort wiederzuverwenden«, vermutet Danti. Im Südwestpalast waren einst viele Räume mit Szenen von Sanheribs Feldzügen dekoriert. Damit wollte der Herrscher ausländische Würdenträger und Diplomaten beeindrucken: »Diese Reliefs waren wichtige Werke der assyrischen Propaganda«, schreibt Danti in einer E-Mail an »Spektrum.de«.

Ob die Reliefs tatsächlich im Südwestpalast angebracht waren, ist jedoch nicht sicher. Auf einer Platte sind die Bilder nicht fertig ausgearbeitet, an den übrigen gibt es keine Spuren einer damals üblichen Bemalung. Möglicherweise waren die Reliefs im Palast nie zu sehen gewesen, so Danti. »Vielleicht waren sie fehlerhaft? Vielleicht waren sie aber auch verbaut gewesen und wurden bei späteren Umbauten entfernt.« Momentan können die Forscher darüber nur spekulieren.

Bogenschützen | Auf einem Relief sind assyrische Soldaten abgebildet. Die Darstellungen zeigen Feldzüge von König Sanherib. Das Foto wurde zur besseren Ansicht um 90 Grad gedreht.

Das Mashki-Tor von Ninive war in den 1970er Jahren restauriert und wieder aufgerichtet worden, 2016 zerstörte der so genannte Islamische Staat die Anlage. Jetzt arbeiten irakische und US-Fachleute in Ninive, um die assyrische Fundstätte auf dem Stadtgebiet von Mosul zu erhalten. Ziel sei es, die Stätte als UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

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