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»Fast Radio Bursts«: Noch mehr schnelle Radioblitze

Rätselhafte Blitze aus den Tiefen des Alls fordern Wissenschaftler heraus: Steckt dahinter eine besondere Form von Neutronenstern? Oder etwas noch Exotischeres? Nun gibt es neue Daten.
Schnelle Radioblitze könnten von jungen Magnetaren wie RCW 103 ausgesendet werden.Laden...

Sie gehören derzeit zu den großen Mysterien der Astrophysik: Schnelle Radioblitze (englisch: fast radio bursts) fluten den Nachthimmel für ein paar tausendstel Sekunden mit Radiowellen. Bisher ist unklar, was die extrem energiereichen Ereignisse auslöst. Forscher vermuten, dass sie ihren Ursprung in weit entfernten Galaxien haben. Näheres weiß man auch deshalb nicht, weil sich die meisten Radioblitze nicht wiederholen. Das macht es sehr schwierig, ihren genauen Herkunftsort zu ermitteln und Hinweise auf ihr kosmisches Umfeld zu finden.

Doch langsam kommt Bewegung in die Sache: Schon zweimal haben Forscher Radioblitze aufgespürt, die sich wiederholen. Und nun präsentiert ein Team um Emmanuel Fonseca von der kanadischen McGill University gleich acht weitere »fast radio bursts« aus dieser Kategorie. Diese habe man bei Durchmusterungen des Nordhimmels zwischen August 2018 und März 2019 entdeckt, berichtet die Gruppe in einem Fachaufsatz auf dem Preprint-Server arXiv.

Die Experten halten es für möglich, dass die Wiederholungstäter eine andere Ursache haben als die einmaligen Bursts. Erstere könnten unter anderem auf rotierende Neutronensterne mit einem extrem starken Magnetfeld zurückgehen, so genannte Magnetare. Astrophysiker diskutieren aber auch exotischere Erklärungsansätze, etwa »kosmische Strings«. Hiermit sind hypothetische fadenförmige Fehlstellen in der Raumzeit gemeint, die peitschenartig große Mengen Energie entladen könnten.

Um eines der Szenarien zu erhärten, müssten Astrophysiker die Quellregionen mehrerer Radioblitze exakt orten und mit anderen Teleskopen beobachten. Das kanadische Team kann das allein nicht leisten: Ihr Instrument CHIME ist für großflächige Himmelsdurchmusterungen ausgelegt und liefert nur eine vergleichsweise grobe Angabe über die Herkunftsrichtung der kurzen Radiowellenausbrüche. Die Forscher hoffen nun, dass sich manche davon für detaillierte Nachbeobachtungen durch andere Gruppen eignen.

Einem anderen Team ist es derweil gelungen, zum zweiten Mal die Quellregion eines der Ereignisse zu orten: Ein Radioblitz, der sich bisher nicht wiederholte, kam demnach aus einer mächtigen Riesengalaxie in rund sechs Milliarden Lichtjahren Entfernung, in der es vorwiegend alte Sterne gibt, wie die Forscher in Nature berichten. Damit scheint der Ursprung anderer Natur zu sein als bei jenem sich wiederholenden Burst, den Astrophysiker 2017 lokalisiert hatten: Er stammte aus einer 2,5 Milliarden Lichtjahre entfernten Zwerggalaxie, in der jede Menge neue Sterne entstehen.

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