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News: Noch nicht reif

Als in Europa noch der Neandertaler durch die Wälder streifte, ging in Südafrika bereits der anatomisch moderne Mensch auf die Jagd. Seine Technologie reichte für den Export aber noch nicht aus.
Die Einwanderer müssen die Alteingessenen arg in Bedrängnis gebracht haben. Vor vielleicht 40 000 Jahren erreichten sie den europäischen Kontinent, spätestens 10 000 Jahre später räumte Homo neanderthalensis das Feld. Seit dieser Zeit gehört Europa allein dem anatomisch modernen Menschen Homo sapiens.

Woher kamen die Eindringlinge? Eine Spur führt nach Südafrika. Denn während Europa noch von Neandertalern besiedelt war, lebten hier bereits Menschen, die sich anatomisch von uns nicht unterschieden. Die Zeitspanne von 200 000 bis etwa 40 000 Jahren wird in Afrika als Mittlere Steinzeit bezeichnet, während zu dieser Zeit in Europa die neanderthalide Kultur des Moustérien aus der mittleren Altsteinzeit herrschte. Deshalb hegen etliche Wissenschaftler den Verdacht, dass afrikanische Einwanderer in Europa den kulturellen Umbruch vom Mittel- zum Jungpaläolithikum ausgelöst hatten.

Allerdings sind auch in Afrika Funde spärlich, welche den Anthropologen die Geschichte der menschlichen Entwicklung zugänglich machen. An der südafrikanischen Küste bei Ysterfontein, 70 Kilometer nördlich von Kapstadt, konnte jetzt einer dieser Glücksfunde ausgewertet werden.

Die Steinwerkzeuge, welche die Wissenschaftler um Richard Klein von der Stanford University hier zusammenklaubten, sind vermutlich mindestens 45 000 Jahre alt, stammen also aus der südafrikanischen Mittelsteinzeit. Interessant waren jedoch die Küchenabfälle der einstigen Bewohner, erzählten sie doch, was damals auf dem Speisezettel stand: Wild, Eier und Meeresfrüchte. Denn neben Knochen von Schlangen, Schildkröten, Säugetieren und Vögeln – vor allem Straußeneierschalen fanden sich reichlich – deuten Muschelschalen und Schneckengehäuse auf eine maritime Kost hin.

Ein Gericht fehlte jedoch völlig: Fisch. Damit unterscheiden sich die Ernährungsgewohnheiten der Mittelsteinzeit deutlich von denen, wie sie während des späten Steinzeitalters in Südafrika üblich waren. Offensichtlich, so schließen zumindest die Forscher, reichten die Jagdtechniken damals noch nicht aus, um erfolgreich auf Fischfang zu gehen.

Stattdessen bevorzugten die Menschen der Mittelsteinzeit die Weichtiere des Meeres. Hier stand ihnen auch noch ein reich gedeckter Tisch zur Verfügung, wie die auffallend großen Schalen vermuten lassen. Denn die Schalen aus den Abfällen der Spätsteinzeit sind deutlich kleiner – vermutlich weil der Mensch den Meerestieren bereits zu stark zugesetzt hatte.

Klein und seine Kollegen vermuten, dass die kulturelle Entwicklung in der südafrikanischen Mittelsteinzeit noch nicht für eine Expansion nach Europa ausreichte. Erst die Kulturstufe der südafrikanischen Spätsteinzeit wäre hierzu in der Lage gewesen.

Das bedeutet, dass irgendwann in der Epoche zwischen 60 000 und 30 000 vor unserer Zeit ein kultureller Umbruch in Südafrika stattgefunden haben muss. Doch gerade aus dieser Zeit gibt es so gut wie keine Funde, denn wahrscheinlich war die Region aufgrund extremer Trockenheit fast menschenleer. Archäologen sollten daher, so raten die Forscher, verstärkt in anderen Regionen Afrikas suchen. Vielleicht finden sich in Ostafrika Spuren der Menschen, die sich einst auf den Weg nach Europa machten.

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