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Astronomie mit dem Fernglas: Der Nordamerikanebel und sein blasser Nachbar

Im Sternbild Schwan verstecken sich zwei ästhetische Gasnebel: eine Wasserstoffwolke und ein Supernova-Überrest. Ihre visuelle Beobachtung ist eine echte Herausforderung. Versuchen Sie es mit Ihrem Fernglas!
Silhouette einer Person mit Fernglas vor dem Hintergrund eines dunklen Himmels.
An Spätsommerabenden wird es noch recht spät dunkel, aber das Warten auf den Sternenhimmel lohnt sich: Die Milchstraße und ihre galaktischen Nebel sind attraktive Ziele für die Beobachtung mit einem Fernglas.

Wer einen dunklen Standort auf dem dünn besiedelten Land, am Strand oder im Gebirge nutzen kann, sollte unbedingt ein Fernglas mitnehmen, denn zu dieser Jahreszeit bietet sich ein besonders interessantes Objekt an: der Nordamerikanebel (NGC 7000) im Sternbild Schwan. Die Himmelsregion mit der hier verlaufenden Milchstraße lässt sich im Spätsommer und Frühherbst zu Beginn der Nacht noch sehr hoch am Himmel beobachten (siehe »Leuchtende Gaswolken im Sternbild Schwan«).

Leuchtende Gaswolken im Sternbild Schwan |

Spektakuläre Emissionsnebel sind in die sternreiche Umgebung der nördlichen Milchstraße eingebettet. Der ausgedehnte Nordamerikanebel (NGC 7000) kann in einer dunklen Nacht im Fernglas erkannt werden. Auch der Schleiernebel (NGC 6992) ist unter guten Bedingungen einen Versuch wert. David Hajnal gelang diese Aufnahme auf seinem Balkon in Mannheim mit einem kontraststeigernden Filter des Typs Astronomik L2. Er nutzte eine Kamera Sony Alpha 7 und ein Objektiv Samyang AF mit 75 Millimetern Brennweite. Belichtet wurden 110 Bilder à 30 Sekunden bei ISO 640.

Für Astrofotografen ist der Nordamerikanebel ein beliebtes Motiv: Auf lang belichteten Aufnahmen zeigt sich eine prächtige, rötlich leuchtende Gaswolke, deren Form an den nordamerikanischen Kontinent erinnert. Aber was sieht man mit dem Auge? Obwohl die geringe Flächenhelligkeit das Auffinden erschwert, lässt sich der Nebel in einer dunklen Nacht mit einem Fernglas erstaunlich gut erkennen. Besonders hilfreich ist hierbei, dass man mit beiden Augen beobachten kann. Auch die geringe Vergrößerung von etwa sieben- bis zehnfach ist von Vorteil: Das Licht des ausgedehnten Nebels konzentriert sich so auf eine relativ kleine Fläche der Netzhaut, und dank des großen Gesichtsfelds hebt sich das Objekt gut von den vielen Sternen in seiner Umgebung ab.

Zwar kann der helle Stern Deneb die Sicht stören, doch mit einem 10 × 50-Fernglas lässt er sich leicht an den Rand des Blickfelds schieben. Dann erscheint der Nebel als zart schimmernde Dreiecksform. Im nördlichen Bereich stammt das Licht vor allem von den unzähligen Sternen der Milchstraße, die hier zu einem nebelartigen Eindruck verschmelzen. Das rötlich leuchtende Gas, das auf Fotos so eindrucksvoll zu sehen ist, bleibt dem Auge allerdings weitgehend verborgen. Der Grund: Unsere nächtliche Sehleistung erfasst die typische rote Wasserstoffstrahlung (H-alpha) kaum. Sichtbar wird eher das schwächere, bläuliche Licht anderer Linien (H-beta und H-gamma). Feinere Details, wie etwa die »Mexiko«-Form im Süden des Nebels, bleiben daher visuell verborgen.

Eine echte Herausforderung ist der Vergleich mit dem lichtschwächeren Schleiernebel (NGC 6992) in der südlichen Schwinge des Sternbilds Schwan. Dieser Nebel ist der östliche Teil eines Supernova-Überrests, der durch eine Sternexplosion vor rund 8000 Jahren entstand. Da NGC 6992 schmaler und flächenheller als der Nordamerikanebel ist, gibt er sich in einem Teleskop bei Vergrößerungen ab 30-facher Vergrößerung leichter zu erkennen als der Nordamerikanebel. Für die Beobachtung mit einem Fernglas mag seine scheinbare Ausdehnung zu schmal sein, um ihn optimal zu erkennen. Daher empfiehlt sich für diesen Versuch eine 10- bis 15-fach vergrößernde Optik mit 50 bis 60 Millimetern Objektivdurchmesser.

Die Beobachtung unweit des Zenits, wenn der Schwan fast genau über unseren Köpfen steht, ist nur in einem Liegestuhl bequem. Um das Fernglas ruhig zu halten, sollten Sie die Ellenbogen seitlich abstützen. Auch ein Einbeinstativ, dessen Rohr schräg durch die Beine hindurch am Boden aufsetzt, kann das Zittern der Arme stark reduzieren. So können Sie einen tiefen Blick in die Milchstraße unbeschwert genießen.

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