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Umweltschutz

Nordatlantik ist voller Plastikmüll

Opfer eines Geisternetzes
Ähnlich wie im Pazifik gibt es auch im Nordatlantik riesige Flächen, die mit Plastikmüll verseucht sind. US-Wissenschaftler haben das Umweltproblem jetzt erstmals dokumentiert. Die größte Dichte entdeckten sie oberhalb der karibischen Inseln, zwischen 22 und 38 Grad nördlicher Breite. Dort schwammen bis zu 200 000 Plastikstücke je Quadratkilometer auf der Meeresoberfläche. Die meisten hatten nicht einmal einen Zentimeter Durchmesser.

Schmutziger Fang
Schmutziger Fang | Mitarbeiter der US-amerikanischen NOAA-Behörde hieven eine Ladung Geisternetze an Bord: Diese Netze gingen einst Fischern über Bord und treiben mitunter jahrelang als tödliche Falle durch die Weltmeere.
Gemacht haben den Fund Mitarbeiter der Organisation Sea Education Association (SEA). SEA-Sprecherin Lavender Law sieht Parallelen zwischen der schwimmenden Müllhalde im Atlantik und dem schon länger untersuchten Phänomen im Pazifik ("Great Pacific Garbage Patch"). Die Ergebnisse vom Atlantik stützen sich auf die bisher längsten und umfangreichsten Nachforschungen in einem Weltmeer. Sie wurden unter anderem von der Woods Hole Oceanographic Institution in der Nähe von Boston durchgeführt. Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher große Netze, die sie bei Fahrten durch die Müllgebiete ins Schlepptau nahmen. Insgesamt warfen die Wissenschaftler ihre Netze mehr als 6000-mal aus – die Hälfte war mit Abfall gefüllt.

Kunststoffmüll in Strandgut
Plastikstrandgut | Ein Großteil des Plastikmülls im Ozean stammt vom Land. Der Wind trägt ihn auf das Meer hinaus, wo er sich dann in bestimmten Gebieten mit günstiger Strömung sammelt.
Der Abfall gefährde die Meeresfauna, warnt Law: "Wir wissen, dass viele Meeresorganismen diese Plastikabfälle schlucken und dass es ihre Gesundheit belastet, vor allem die von Seevögeln." Der meiste Plastikunrat stammt vom Land, wo er von Wind und Wetter ins Meer getragen wird. Aber auch viele Schiffe kippen ihren Müll einfach über Bord, um die Entsorgungskosten in den Häfen zu sparen. Meeresströmungen tragen sie dann in bestimmte Regionen, wo sich der Kunststoff sammelt und konzentriert. Vielfach kreist er jahrelang im Ozean, bis er entweder wieder an Land geschwemmt wird oder von der Sonne und dem Salzwasser zersetzt wurde – ein Vorgang der Jahrzehnte dauert. Der "Müllstrudel" im Pazifik wiegt geschätzte drei Millionen Tonnen und bedeckt mittlerweile eine Fläche, die derjenigen von Westeuropa entspricht. (dl)
8. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 8. KW 2010

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