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Globale Erwärmung: Nur Aufforstung in den Tropen hilfreich gegen Klimawandel

Werden verschiedene klimatische Effekte von Wäldern verglichen, macht das Anpflanzen von Bäumen als Mittel gegen die globale Erwärmung nur in den Tropen Sinn. In den mittleren Breiten zeigt sich kaum ein Effekt, und in den hohen Breiten würde Aufforstung das Klettern der Temperaturen in diesem Jahrhundert sogar fördern. Verrechnete man alle Szenarien miteinander, würde eine weltweite Abholzung die globale Durchschnittstemperatur sogar senken, schließen Govindasamy Bala vom Lawrence Livermore National Laboratory und Kollegen aus Klimasimulationen [1].

Wälder galten lange als als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel, da die Bäume das Treibhausgas Kohlendioxid in ihrer Biomasse speichern und so der Umgebung zumindest vorübergehend entziehen. Inzwischen haben jedoch einige Studien gezeigt, dass diese Hoffnung trügt, und die Bäume nach einigen Jahren unter erhöhten CO2-Bedingungen teilweise wieder aufhören stärker zu wachsen. Das Team um Bala berücksichtigte in einem globalen Entwaldungs-Modell neben der Kohlendioxid-Einlagerung auch den Wolken fördernden Effekt durch die Verdunstung der Bäume – der kühlend wirkt – sowie den Einfluss der Albedo, die bei dunklen Bäumen höher ist als beispielsweise bei einer weißen Schneedecke.

In den Tropen spielt, wie Bala und seine Kollegen bereits zeigen konnten, der Wolkeneffekt die größte Rolle: Ohne Bewaldung steigen hier die Temperaturen im Jahresmittel an, eine Aufforstung dagegen würde kühlend wirken. In den borealen Wäldern hingegen überwiegt der Einfluss der Albedo, hier sorgten zusätzliche Wälder für eine Erwärmung, während eine Abholzung bestehender Bäume die Temperaturen senkte – was aber angesichts der sonstigen Bedeutung von Wäldern als Lebensraum natürlich gar nicht erst in Betracht zu ziehen sei, so die Forscher. In den gemäßigten Breiten halten sich die verschiedenen Effekte die Waage, weshalb die Temperaturen hinsichtlich der Waldbedeckung weder dramatisch steigen noch fallen.

Im zweiten Teil des IPCC-Berichts, der am 6. April veröffentlicht wurde, zeigen Wissenschaftler an 29 000 Datensätzen aus 75 Studien auf, wie die Natur bereits auf den Klimawandel reagiert [2]: Beispielsweise bilden sich durch die Eisschmelze vermehrt größere Gletscherseen, Frühlingsereignisse wie Blattentfaltung oder Eiablage treten früher ein, die Verbreitungsgebiete von Tieren und Pflanzen verändern sich, Landwirte säen früher aus, Forstwirte beobachten sich wandelnde Störeffekte durch Feuer oder Schädlinge.

Wird der globalen Erwärmung nicht entgegen gesteuert, erwarten Forscher selbst bei einem Anstieg von weniger als 1,5 Grad Celsius – das ist die unterste Grenze derzeitiger Prognosen – mehr Gesundheitsschäden durch Hitzestress, Unterernährung, Durchfall- und Infektionskrankheiten sowie zunehmende materielle Schäden durch häufigere Hochwässer und Stürme. Im mittleren Prognosenbereich, also bis 3,5 Grad Celsius mehr im Laufe des 21. Jahrhunderts, werden Millionen Menschen von Überflutungen betroffen sein, die biologische Vielfalt wird einbrechen – bis zu 30 Prozent der Arten sind dann vom Aussterben bedroht –, und der Schmelzprozess in Grönland und der westlichen Antarktis wird in ein unumkehrbares Stadium eintreten, was einen entsprechenden Meeresspiegelanstieg nach sich zöge.

Bei mehr als 3,5 Grad Celsius halten die Autoren des Berichts alle physikalischen, biologischen und sozialen Systeme für überfordert, sich der Erwärmung noch anpassen zu können. Besonders gefährdet sind hier, wie schon von etlichen Simulationen belegt, insbesondere die höheren Breiten und Hochgebirgsregionen, mediterrane Ökosysteme, Korallenriffe, Mangroven und flache Küstenregionen. Die Wasserknappheit in bereits jetzt von Trockenheit betroffenen Gebieten wird sich verschärfen, der Selbstversorgeranbau in armen Ländern wird durch Dürren oder zunehmende Überschwemmungen gefährdet.

Noch sei es möglich, durch geeignete Gegenmaßnahmen, insbesondere die Senkung der Treibhausgas-Emissionen, die Folgen des Klimawandels abzuschwächen und hinauszuzögern. Die Palette potenzieller Maßnahmen sei sogar sehr umfangreich und reiche von technologischen über Verhaltensänderungen jedes Einzelnen und betriebswirtschaftliche Entscheidungen bis hin zu politischen Entscheidungen. Doch hapere es massiv an der Umsetzung, der ökologische, ökonomische, informationelle, soziale, bewusstseins- und verhaltensbezogene Barrieren entgegenstünden, mahnen die Autoren. (af)
11.04.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11.04.2007

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