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News: Nur 'Sternenstaub'

Hunderte von Augenzeugen hatten am 9. Dezember 1997 über Grönland einen hellen Lichtblitz gesehen, eine Überwachungskamera bannte das Geschehen sogar auf den Film. Seismische Stationen lieferten widersprüchliche Daten, Bilder eines Satelliten wurden von den Fachleuten unterschiedlich interpretiert. - Was wie der Vorspann zu einer Ufo-Meldung klingt, ist in Wirklichkeit seriöse Wissenschaft. Ein gewaltiger Meteor ist über der Insel explodiert. Eine Expedition, die dessen Überreste aufspüren sollte, fand jedoch nur Staub, der möglicherweise nicht einmal von dem Himmelskörper stammt.
Mehrere Monate suchte ein Team unter der Leitung des Astronomen Lars Lindberg Christensen vom Tycho Brahe Planetarium nach den Trümmerteilen. Das ungefähre Gebiet, in dem sie zu Boden gegangen sein müßten, konnte anhand der Zeugenaussagen und des Filmes einer Überwachungskamera auf einem Parkplatz ermittelt werden. Doch obwohl die Forscher zu Fuß und vom Hubschrauber ein rund 1 000 Quadratkilometer großes Areal abgesucht haben, fanden sie keine größeren Spuren. "Wenn es dort Bruchstücke mit den Ausmaßen eines Handballs oder größer geben würde, hätten wir sie sicher gefunden", sagt Christensen.

Er vermutet, daß der Meteor so schnell in die Atmosphäre eintrat, daß er in kleinste Staubteilchen zerstob. Aufgrund der Beobachtungen schätzt er die Geschwindigkeit auf etwa 60 Kilometer pro Sekunde. Das wäre schneller als bisher beobachtete Meteore. Objekte in erdnahen Umlaufbahnen bewegen sich relativ zur Erde mit maximal 42 Kilometer pro Sekunde. Christensen vermutet deshalb, daß dieser Meteor seinen Ursprung außerhalb des Sonnensystems hat. Dem widerspricht sein Kollege Holger Pedersen vom Niels Bohr Institute for Astronomy, Physics and Geophysics, da Meteoriten bislang nur innerhalb unseres Sonnensystems gesichtet wurden.

Vielleicht liegt die Antwort in den rund 200 Schneeproben mit insgesamt zwei Tonnen Gewicht, die das Team eingesammelt hat. Sie enthalten Staubkörnchen von weniger als einem Millimeter Durchmesser. In den nächsten Monaten soll deren Zusammensetzung im Niels Bohr Institute und dem Geological Museum in Kopenhagen untersucht werden.

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