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Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen: Nur wenige Eltern setzen Grenzen

Zweieinhalb bis vier Stunden pro Tag sind Kinder und Jugendliche privat im Internet unterwegs, wie eine neue Umfrage zeigt. Manche sind sogar suchtgefährdet. Feste Regeln stellen nur wenige Eltern auf.
Junge Menschen sitzen mit Smartphone in der SonneLaden...

In vielen Familien sorgt die Internet- und Computernutzung von Sohnemann oder Töchterchen regelmäßig für Streit. Feste Regeln, wie, wo oder wann Smartphone oder Laptop genutzt werden dürfen, stellen aber nur wenige Eltern auf. Das zeigt nun eine Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Forscher befragten 1000 Mütter und Väter ausführlich darüber, wie deren 12- bis 17-jährigen Kinder mit Internet und PC umgehen. Im Schnitt, so die Ergebnisse der Untersuchung, beginnen Kinder ab 12 Jahren mit der selbstständigen Internetnutzung. An Werktagen, so schätzen die Eltern, sind ihre Kinder rund zweieinhalb Stunden pro Tag privat im Internet unterwegs, an Wochenenden sind es durchschnittlich vier Stunden. Jeder fünfte Jugendliche verbringt samstags oder sonntags sechs Stunden und mehr vor dem Computer.

In jeder dritten Familie sorgt das Thema Internetnutzung nach Einschätzung der Befragten manchmal bis sehr häufig für Streit. Trotzdem: 71 Prozent der Eltern stellen keine festen Regeln auf, an welchem Ort ihre Sprösslinge das Internet nutzen dürfen, 51 Prozent reglementieren auch nicht, wie lange die Jugendlichen online gehen dürfen. 32 Prozent der Eltern setzen keine inhaltlichen Grenzen. In der Mehrheit der Fälle werden aufgestellte Gebote und Verbote zudem nicht konsequent durchgesetzt.

Etwa die Hälfte der befragten Eltern gab an, dass ihr Kind oft länger vor dem Computer hocken bleibt als beabsichtigt. Jungen verbringen dabei die meisten Zeit mit Computerspielen, während Mädchen hauptsächlich chatten. Werden sie dazu aufgefordert, ihre Onlinezeit zu reduzieren, zeigt sich ein Fünftel der Teenager ruhelos, launisch oder gereizt. Einer von zehn Jugendlichen nutzt das Internet schließlich dazu, den Problemen der realen Welt zu entfliehen; bei sieben Prozent der Betroffenen gefährdet die Internetnutzung sogar soziale Beziehungen und schulische Leistungen. Aus Sicht der Experten ist das ein Grund, Alarm zu schlagen: "Die Daten deuten darauf hin, dass etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter krankhaften Folgen ihrer Internetnutzung leiden", sagt Rainer Thomasius vom Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters. Eine Suchtgefährdung sei demnach auch im Kinderzimmer gegeben.

Von einer Internet- beziehungsweise einer Computerspielsucht sprechen Experten dann, wenn die Betroffenen einen Großteil ihrer Zeit vor dem Computer verbringen und sich auch sonst gedanklich ständig damit beschäftigen. Die Zeit, in der nicht gesurft oder gespielt wird, verkürzt sich stetig; Familie, Freunde, Schule, Arbeit und andere Interessen werden dafür vernachlässigt. Werden die Betroffenen davon abgehalten, vor dem Computer zu sitzen, reagieren sie nervös, gereizt, zum Teil sogar aggressiv. Alle Versuche, von sich aus mit dem Surfen oder Spielen aufzuhören, scheitern. Um Kindern direkt von Beginn an einen gesunden Umgang mit Internet und Computerspielen zu vermitteln, sollten Eltern sich daher darüber informieren und mit dem vertraut machen, was ihre Kinder in ihrer Freizeit überwiegend am PC oder am Smartphone tun. Regeln für das Wo, Wann und Was der Internetnutzung aufzustellen, kann hilfreich sein. Nicht zuletzt sollten Eltern auch Alternativen für eine ausgewogene Freizeitgestaltung bieten, empfehlen Experten.

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