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Ökologie: Regenwälder können sich schnell erholen

Weltweit werden Regenwälder umfassend zerstört. Doch nicht immer nutzt man anschließend die Flächen. Die Natur reagiert darauf zügig und umfassend.
Sekundärwald am Vulkan Turrialba in Costa Rica

Im Jahr 2020 holzte die Menschheit tropische Wälder auf mehreren Millionen Hektar Land ab, insgesamt ging etwa die Fläche der Niederlande an Wald verloren. Vor allem in Brasilien nahm die Rodung stark zu. Häufig müssen die Ökosysteme Platz für Plantagen oder Viehweiden machen, doch oft bleiben die Gebiete anschließend auch ungenutzt. Die Natur kann darauf schnell reagieren, wie Lourens Porter von der Universität Wageningen und sein Team in »Science« schreiben: Wenn man sie lässt, regenerieren sich Regenwälder zügig und es stellt sich wieder eine hohe Artenvielfalt ein.

Die Arbeitsgruppe untersuchte dazu 77 Gebiete mit Sekundärwald in Zentral- und Südamerika sowie Westafrika, die sich nach der Zerstörung gebildet hatten. Dabei berücksichtigte sie unter anderem Daten zu Artenvielfalt, Struktur des Ökosystems, Biomassezuwachs oder Bodenrichtwerten. Die Zeitspanne, in der sich die Natur wieder erholen durfte, reichte von einem bis zu 120 Jahre nach der Abholzung.

Am schnellsten erholten sich die Böden: Schon nach zehn Jahren ließen sie sich nicht mehr von Proben aus benachbartem Primärwald unterscheiden. Auch die Pflanzen reagierten rasch und umfassend: Innerhalb von 25 Jahren erreichten die Baumdichte und die Blattfläche mehr als 80 bis 100nbsp;Prozent der ursprünglichen Vegetation. Schon nach 20 Jahren lassen sich Sekundär- und Urwälder in der Struktur nur punktuell unterscheiden: Der Zustand entspricht dann etwa 80 Prozent des typischen Stockwerkbaus im Regenwald.

Deutlich länger dauert es hingegen, bis sich die Biomasse und die Artenvielfalt wieder vollständig erholt haben, was wenig erstaunlich ist: Bis sich etwa die großen Übersteher entwickelt haben, die das meiste Holz tragen und den Kronenraum des Waldes charakterisieren, vergehen 100 Jahre und mehr. Bestimmte Gilden unter den Tieren wie Höhlenbrüter oder auf Epiphyten angewiesene Arten kehren erst zurück, wenn die Bedingungen wieder stimmen.

Die Studie zeige jedoch, dass solche Wälder einen hohen Wert für den Erhalt der Artenvielfalt und den Klimaschutz haben, schreiben die Autorinnen und Autoren. Ein Beispiel, wie erfolgreich diese Strategie sein kann, zeigt etwa Costa Rica: Das zentralamerikanische Land hatte bis vor 40 Jahren einen großen Teil seiner Wälder verloren, aber seitdem gegengesteuert. Mittlerweile ist der Großteil des Landes wieder bewaldet und Ökotourismus eine der Haupteinnahmen des Staates.

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