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Ökologisches Gleichgewicht: Riesige Mäuseplage sucht Australien heim

In New South Wales gefährdet eine gewaltige Mäuseplage die Ernte. Die Nager sollen mit Gift eingedämmt werden. Doch das bedroht die heimische Tierwelt.
Maus im Käfig

Erst kamen die schlimmsten Feuer seit Jahren, dann sintflutartige Regenfälle mit Überflutungen, und nun frisst sich eine sich explosionsartige vermehrende Mäusezahl durch die Ernten im australischen Bundesstaat New South Wales und in Teilen von Queensland. Die Tiere profitieren von den ergiebigen Niederschlägen, die die jahrelange Dürre in der Region beendet hatten und der Vegetation einen Schub verpassten. Die Zahl der Nagetiere ist mittlerweile so hoch, dass die Behörden das eigentlich nur sehr beschränkt zugelassene Gift Bromadiolon wieder für den breiten Einsatz im Feld zulassen wollen, wie der »Guardian« berichtet.

Das Mittel tötet die Tiere innerhalb von 24 Stunden, vergiftet aber auch heimische Beuteltiere und Vögel, wenn sie es aufnehmen. Deshalb darf Bromadiolon eigentlich nur in Ködern und Köderstationen eingesetzt werden, die speziell auf bestimmte Ziele ausgerichtet sind. Die gewaltige Mäuseplage ließe sich dadurch aber nicht eindämmen, weshalb das Gift nun großflächiger eingesetzt werden soll. Im Gegensatz zu älteren Mitteln genügt es, wenn die Mäuse einmalig das Rodentizid aufgenommen haben. Allerdings tötet es nicht sofort, sondern verzögert, so dass Artgenossen keinen Zusammenhang zwischen den entsprechend behandelten Körnern und dem Tod herstellen können.

Bromadiolon reichert sich jedoch in der Nahrungskette an und kann daher zu Kollateralschäden führen, wie Ökologen befürchten. »Der Einsatz von Rodentiziden ist nachvollziehbar, aber er hat seine Kosten. Wir werden eine große Zahl an sterbenden und toten Mäusen sehen«, sagt der Biologe Bill Bateman von der Curtin School of Molecular and Life Sciences zum australischen Science Media Center. »Die verendeten oder sterbenden Nager werden oft von heimischen Beutegreifern und Aasverwertern gefressen, etwa Eulen, Falken, Milanen oder Rabenvögeln. Diese reichern das Gift im Körper an und sterben ebenfalls.«

Reptilien scheinen dagegen zuerst weniger stark betroffen zu sein. Aber auch sie speichern das Mittel im Körper und werden damit zu ökotoxikologischen Zeitbomben, die andere Raubtiere vergiften, wenn sie selbst erbeutet werden. Wenn derartige Gifte breit eingesetzt werden, dann sollte man eher auf die erste Generation dieser Rodentizide setzen, so Bateman: Diese wirkten zwar langsamer, bauten sich dafür aber schneller in der Umwelt ab. Langfristig gäbe es sogar noch eine bessere und ökologisch verträgliche Lösung, sagt Bateman: »Wir sollten die Farmer ermuntern, dass sie auf ihrem Land Lebensraum für natürliche Fressfeinde der Mäuse erhalten und schaffen. Greifvögel, Schlangen und große Echsen sind unsere erste Verteidigungslinie gegen Mäuseplagen.«

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