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Paläogenetik: Ötzi hat heute keine Nachkommen

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Die komplette Analyse des mitochondrialen Genoms der Tiroler Gletscherleiche "Ötzi" führte zu einem überraschenden Ergebnis: Der Mann aus dem Eis hat im heutigen Europa vermutlich keine Nachfahren.

Wissenschaftler um Franco Rollo von der italienischen Università degli Studi di Camerino haben aus dem 5300 bis 5100 Jahre alten Körper die DNA der Mitochondrien (mtDNA) isoliert und die Reihenfolge der Bausteine bestimmt. Diese Zellorganellen, die der Energiegewinnung dienen, werden nur mütterlicherseits weitergegeben und daher gerne zu Stammbaumanalysen herangezogen. Mit den jetzt publizierten Daten liegt nach Angaben der Forscher die älteste entzifferte mtDNA eines Homo sapiens vor.

Frühere Analysen von Stücken der mtDNA hatten ergeben, dass "Ötzi" zur Subhaplogruppe K1 gehört – eine Untergruppe des Haplotyps K, zu der etwa acht Prozent der heutigen Europäer zählen. Jetzt zeigte sich, dass das mitochondriale Erbgut der Gletscherleiche zu keiner der bekannten Variationen von K1 passt. Demnach leben heute nur noch wenige Nachfahren des Manns aus dem Eis, oder die Linie ist vollkommen ausgestorben.

Die Mumie von den Ötztaler Alpen an der österreichisch-italienischen Grenze galt als Sensationsfund des Jahres 1991. Inzwischen stellte sich heraus, dass "Ötzi" etwa 46 Jahre alt geworden ist und vermutlich den Verletzungen eines Pfeilschusses erlag. Der Leichnam, der im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ruht, hat der Archäologie wesentliche Erkenntnisse über das Leben der Menschen im Alpenraum während der Kupfersteinzeit beschert. (aj)

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  • Quellen
Ermini, L. et al.: The Complete Mitochondrial Genome Sequence of the Tyrolean Iceman. In: Current Biology 18(21), 2008.

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