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Covid-19: Offenbar erste bestätigte Reinfektion mit Coronavirus

Monate nach seiner Genesung wurde bei einem Mann aus Hongkong zum zweiten Mal eine Infektion mit Sars-CoV-2 nachgewiesen. Erbguttests zeigen: Es handelt sich um eine Neuansteckung.
Labortests mit dem neuen Coronavirus.

Ist man immun gegen Sars-CoV-2, wenn man einmal eine Infektion mit dem Virus überstanden hat? Und wenn ja, wie lange genau hält diese Immunität dann an? Auf diese Fragen kennen Forscher auch Monate nach Beginn der Covid-19-Pandemie noch keine Antworten. Anscheinend aber verschwindet der Schutz gegen das Virus zumindest in Einzelfällen binnen weniger Monate. Darauf deuten nun Berichte aus China hin: Laut einem Beitrag des Nachrichtensenders »Radio Television Hong Kong« sind Forscher der Universität Hongkong auf den ersten mehr oder weniger sicheren Fall einer Reinfektion mit dem neuen Coronavirus gestoßen.

Dem Beitrag zufolge, den auch die medizinische Fakultät der Uni über ihren offiziellen Twitterkanal verbreitet hat, wurde der 33-jährige Patient aus Hongkong Mitte August 2020 positiv auf Sars-CoV-2 getestet – nachdem er Ende März bereits mit dem Coronavirus infiziert war. Im Zuge der ersten Infektion litt der Mann offenbar unter leichten Symptomen wie Husten, Fieber, Hals- und Kopfweh und wurde sicherheitshalber stationär im Krankenhaus behandelt. Dort entließ man ihn Mitte April nach zwei negativen PCR-Tests. Die zweite Infektion verlief dagegen asymptomatisch und sei im Rahmen einer Routinekontrolle am Flughafen aufgefallen.

Gensequenzierungen deuteten zudem darauf hin, dass die Infektionen von zwei leicht unterschiedlichen Virenstämmen herrührten. Die Gensequenz des Virus bei der zweiten Infektion entsprach jenem Stamm, der im Juli und August in Europa zirkuliert sei, schreibt auch die »New York Times«. Das passt zu der Tatsache, dass der Mann sich offenbar vor dem Routinetest am Flughafen in Spanien aufhielt, und legt nahe, dass er sich tatsächlich ein zweites Mal neu angesteckt haben könnte.

Die Studie, in der die Wissenschaftler den Fall des Mannes beschreiben, ist bislang noch nicht veröffentlicht worden. Sie sei aber vom Fachmagazin »Clinical Infectious Diseases« angenommen worden, heißt es im Beitrag von »Radio Television Hong Kong«.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unseren FAQ. Ausführliche Antworten zur Delta-Variante lesen Sie hier. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Wie das Coronavirus die Welt verändert«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Die Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen sind unklar

Was die Ergebnisse der Forscher – so sie der wissenschaftlichen Prüfung standhalten sollten – für das Infektionsgeschehen bedeuten, ist noch unklar. Es gab zwar bereits vereinzelte Berichte über Menschen, die nach einigen Wochen oder Monaten ein zweites Mal positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden waren. Der Abstand der Tests war in diesen Fällen jedoch nicht groß genug, um sicherzugehen, dass der zweite Test nicht einfach noch übrig gebliebene Viruspartikel der ersten Infektion detektierte. Fachleute gehen derzeit davon aus, dass diese bis zu drei Monate nach Abklingen der Infektion noch nachweisbar sein können.

Wie häufig Reinfektionen im Fall des Falles tatsächlich auftreten, ist also noch völlig offen. Ebenso ist unklar, ob die Wahrscheinlichkeit, sich erneut mit Sars-CoV-2 anzustecken, steigt, wenn man beim ersten Mal nur sehr milde oder gar keine Symptome erlebt. Es gibt Studien, die Hinweise darauf fanden, dass Patienten in solchen Situationen auch weniger Antikörper bilden beziehungsweise dass deren Konzentration schneller wieder abnimmt.

Sollten Reinfektionen mit Sars-CoV-2 tatsächlich häufiger auftreten, könnte das bedeuten, dass eine Impfung auch für solche Menschen sinnvoll ist, die eine Infektion mit dem Virus bereits durchgemacht haben. Auch an Abstands- und Hygieneregeln sollten die Betroffenen sich dann unbedingt weiter halten.

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