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News: Ohne Krimi ins Bett

Fernsehen erzeugt Gewalt, daran bestehen kaum Zweifel. Das höhere Aggressionspotenzial muss aber ständig genährt werden, ohne Glotze lassen die Aggressionen nach. Schüler an einer kalifornischen Schule unterzogen sich einem Entwöhnungsprogramm, reduzierten ihren TV-Konsum und waren fortan eindeutig die angenehmeren Zeitgenossen.
In Deutschland verbringen schon drei- bis fünfjährige Kinder im Durchschnitt fast 80 Minuten täglich vor dem Bildschirm. Ein Drittel der Neun- bis Zehnjährigen hat sogar einen eigenen Fernseher, und vielen von ihnen bleibt am Abend statt einer Gute-Nacht-Geschichte nur ein Krimi. Über die Folgen dieser Entwicklung gibt es zahlreiche Studien und fast jede von ihnen kommt zu dem Schluss, dass Fernsehen aggressiv macht und die kindliche Wahrnehmung der Umwelt verändert.

Doch diese Tendenz ist ganz offensichtlich keine Einbahnstraße. Ursache und Wirkung scheinen reversibel, dies zeigt jedenfalls das Beispiel einer Schule in Kalifornien. Im Rahmen eines eigens eingerichteten, 18-stündigen Unterrichtsblocks motivierten die Lehrer ihre Schüler zu geringerem TV-Konsum. Die Acht- bis Neunjährigen sollten über ihre Fernsehgewohnheiten täglich Buch führen und dann zehn Tage völlig darauf zu verzichten. Anschließend waren ihnen pro Woche sieben Stunden vor dem Fernsehgerät gewährt. Die Kinder sollten ihre Lieblingssendungen bewusst auswählen und die unbedachte Berieselung vermeiden.

Zum Vergleich hatten Tom Robinson vom Stanford Center on Adolescence der Stanford University und seine Kollegen auch das Verhalten einer Vergleichsgruppe untersucht. Sie gingen im gleichen Stadtteil zur Schule, kamen aus ähnlichen sozialen Verhältnissen und schauten genauso viel fern wie die Kommilitonen vor der Studie. Insgesamt erfassten die Forscher 192 Schüler, über deren tägliches Fernsehverhalten sie mithilfe von elektronischen Geräten wachten.

Vor und nach dem Versuch bekamen die Kinder Fragebögen, in denen sie unter anderem auch die aggressivsten Mitschüler nennen sollten. Zudem fragten die Forscher danach, wie sie ihre Umwelt sahen - infolge übermäßigen Fernsehkonsums haben viele Kinder nämlich das Gefühl, die Welt um sie herum sei gewaltsam und beängstigend (Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine vom 15. Januar 2001).

Das Ergebnis der Studie ist beeindruckend klar. Die Schüler der einen Schule reduzierten die Zeit vor dem Fernseher um ein Drittel. Mehr noch: Das Maß für ihre Aggression erniedrigte sich um 25 Prozent. Verbal grobes Verhalten nahm gar um die Hälfte ab. Wenngleich statistisch nicht signifikant, hat Robinson auch Hinweise darauf, dass sich bei den Kindern ein besseres Bild ihrer Umwelt einstellte.

Die positiven Veränderungen waren bei Mädchen und Jungen gleichermaßen zu beobachten, wobei die vormals besonders aggressiven Kinder ihr Verhalten am stärksten veränderten. Gerade an ihnen zeigte sich, wie das kindliche Verhalten durch Gewalt im Fernsehen beeinflusst wird. Gerade sie sind aber auch Anlass für Optimismus, denn offenbar müssen Aggressionen ständig durch das Fernsehen genährt werden. Fällt diese Ursache weg, fehlt auch die Wirkung.

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