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News: Ohne Wälder wird es kälter

Wieviel Sonnenlicht auf die Erdoberfläche trifft, ist das eine, wieviel zurück ins Weltall reflektiert wird, das andere. Deshalb spielt die Albedo bei der Klimaentwicklung eine wichtige Rolle, und als der Mensch vor 1000 Jahren mit der Rodung der dunklen Wälder begann, ersetzte er sie durch helle Ackerflächen. Die Reflexion der Sonnenstrahlung stieg an, und so wurde es auf der Erde zunehmend kälter.
Es klingt schon ziemlich paradox: Die Rodung der Wälder soll ausgerechnet zu einer Abkühlung des Klimas führen? Aber es ist was dran an dieser Hypothese, denn tatsächlich war das vergangene Jahrtausend von sinkenden Temperaturen bestimmt. Erst seit rund 100 Jahren steigen sie wieder, und zwar so deutlich, dass mit Fug und Recht von einer Klimakatastrophe gesprochen werden kann.

Doch zurück zu den Wäldern. Seit mindestens 1000 Jahren sind sie vom Menschen bedroht, werden gerodet und müssen landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen. Und das hatte nachhaltige Auswirkungen auf das Gesicht der Erde, das nämlich langsam aber sicher heller wurde - heller im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wo einst dunkle Wälder standen, gedieh zunehmend goldgelbes Korn. Und mit den hellen Oberflächen stieg auch die globale Albedo. Immer größere Anteile der Sonnenergie reflektierten zurück ins All, und auf der Erde sanken die Temperaturen.

Bala Govindasamy vom Geophysical Fluid Dynamics Laboratory und seine Kollegen vom Lawrence Livermore National Laboratory kommen jedenfalls zu diesem Ergebnis, nachdem sie die Auswirkungen des Vegetationswechsels mithilfe von Computersimulationen nachvollzogen. Dabei legten die Forscher um das Jahr 1000 eine intakte natürliche Vegetation zugrunde, als die Erde also von großen, zusammenhängenden Wäldern bedeckt war. Das Jahr 1900 entsprach indes den heutigen Vegetationsverteilungen, die sie dem Community Climate Model des National Center for Atmospheric Research entnahmen. Die Konzentration klimarelevanter Gase lag in allen Modellen konstant bei vorindustriellen Werten.

Grundsätzlich ist der Temperaturrückgang während dieser Zeit schon länger bekannt. Im allgemeinen gehen die Forscher davon aus, dass die durchschnittlichen Temperaturen um 1900 mehr als ein Grad niedriger lagen als im Jahr 1000. Auf der Grundlage ihrer Klimamodelle kommen Govindasamy und seine Mitarbeiter nun zu dem Schluss, dass allein die Rodung von Wäldern für landwirtschaftliche Zwecke einen Temperaturrückgang von mehr als 0,4 Grad Celsius bewirkte.

Allerdings nur bis 1900, denn seitdem fährt der Mensch schwerere Geschütze auf. Mit der Industrialisierung kamen auch die Treibhausgase. Kohlendioxid, Methan oder Stickoxide, ihre Wirkung wiegt viel schwerer als die Effekte höherer Albedo. Beide Mechanismen zeigen in eindrucksvoller Art und Weise, in welchem Umfang sich die Zivilisation auf das Klima auswirkt. Doch während die Erde innerhalb jener 900 Jahre nur um wenig mehr als ein Grad Celsius abkühlte, werden die Temperaturen schon innerhalb der kommenden 100 Jahre nach Angaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) um bis zu 5,8 Grad Celsius höher liegen als heute.

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