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Mittelamerika: Olmeken nicht Mutter aller Hochkulturen in Mittelamerika

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Die Olmeken waren vermutlich nicht das einzige Volk, das vor etwa 3000 Jahren in Mittelamerika Töpferwaren herstellte. Vielmehr könnte es mehrere hoch entwickelte und miteinander interagierende Kulturen gegeben haben, die über die Technik der Töpferei verfügten. Damit widersprechen zwei Forschergruppen um James Stoltman von der Universität von Wisconsin [1] und Kent Flannery von der Universität von Michigan [2] den Ergebnissen eines Teams um Jeffrey Blomster an der George-Washington-Universität, welches das Volk der Olmeken, das im heutigen Mexiko siedelte, als erste Hochkultur dieser Region ansieht.

Neue Analysen von Tonscherben durch die Gruppe um Stoltman ergaben, dass die meisten aus dem Gebiet stammen, in dem sie auch gefunden wurden. Wären jedoch die Olmeken die einzigen Produzenten von Töpferwaren gewesen, müssten alle Überreste aus einer vom Fundort vieler Scherben weit entfernten Region stammen.

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Dünschliff einer Keramikscherbe | Petrografisches Bild des Dünnschliffs einer grauen Keramikscherbe aus Oaxaca, die in das olmekische Gebiet exportiert worden war
Die Wissenschaftler hatten eine petrografische Analyse von Dünnschliffen der Fragmente angefertigt, die Aufschluss über die Beschaffenheit der Erde gibt, aus welcher der Ton stammt. Die wenigen Stücke, die weit entfernt von ihrem Entstehungsort gefunden wurden, seien Geschenke zwischen verschiedenen gleich hoch entwickelten Völkern gewesen, vermuten die Forscher. Auch eine kleine tönerne Puppe, die bisher den Olmeken zugeschrieben worden war und als Beleg ihrer kulturellen Überlegenheit galt, stammt vermutlich von einem Volk, das in der Gegend des Fundorts siedelte.

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Symbol der Erde | Gravur des Symbols der Erde auf einer Keramikscherbe aus Tlapacoya (Mexiko): Keine Scherbe mit solcher Gravur wurde bisher im Gebiet der Olmeken gefunden.
Blomsters im Februar 2005 veröffentlichten Untersuchungen hatten dagegen ergeben, dass alle analysierten Scherben aus dem Gebiet der Olmeken stammen, die seiner Meinung nach als erste hochentwickelte Kultur in der Lage waren, Töpferwaren herzustellen. Flannery und Stoltman kritisieren Blomsters Methodik und die Interpretation einzelner Fundstücke. So sei die von ihm verwendete instrumentelle Neutronenaktivierungsanalyse, bei der die chemische Zusammensetzung eines Gegenstandes überprüft wird, nicht geeignet, um die Herkunft von Tonscherben zuverlässig zu analysieren. Bei Keramik kann diese sich durch den Inhalt des Gefäßes oder die Zusammensetzung des Bodens verändern, in dem die Scherben mehrere Jahrtausende lagerten.

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In Mexiko gefundene Hieroglyphen | Diese Zeichen auf einem Stempel aus Tlatilco (Mexiko) zeigen bessere Beispiele für frühe Schriftzeichen als diejenigen, die im Gebiet der Olmeken gefunden wurden.
Außerdem werfen die Forschergruppen dem Team um Blomster vor, sie hätten wichtige Funde von einigen Ausgrabungsorten bei ihren Analysen nicht berücksichtigt. Zudem seien Verzierungen wie die Darstellung von Sonne und Erde nicht – wie von Blomster behauptet – typisch olmekisch, sondern überall auf archäologischen Relikten in Mittealamerika zu finden. Ebenfalls nicht von den Olmeken gefertigt seien die Fundstücke, auf denen ersten Hieroglyphen dieser Region zu sehen sind.
02.08.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02.08.2005

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