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Omikron: Wie gut schützt die Coronaimpfung Kinder und Jugendliche?

Als man die Impfung für Jungen und Mädchen zuließ, dominierten andere Coronavarianten als Omikron. Erfüllen die Vakzine noch immer ihren Zweck? Wesentliche Fragen und Antworten
Ein Junge spielt auf einem Schulhof.

Als der Coronaimpfstoff von Biontech für Jugendliche zugelassen wurde, bestimmten noch der Wildtyp und die Alpha-Variante von Sars-CoV-2 das Infektionsgeschehen. In der Zulassungsstudie für Kinder kursierte hauptsächlich Delta. Inzwischen ist an Coronainfektionen in Deutschland aber nur noch die Omikron-Variante beteiligt, die wesentlich leichter übertragen wird. Doch wie gut schützen die Impfstoffe dann noch diese Altersgruppen? Erste Erkenntnisse liefern drei Studien, die im Lauf des Frühjahrs 2022 veröffentlicht wurden.

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Wie gut schützt die Impfung vor Ansteckung?

Für eine Untersuchung testete ein Team in den USA knapp 1400 geimpfte und ungeimpfte Kinder sowie Jugendliche mehrere Monate lang regelmäßig auf Sars-CoV-2. Das Forschungsteam berechnete aus den Daten, wie gut die Impfung vor einer Coronainfektion mit oder ohne Symptome im Vergleich zu keiner Impfung schützt. Bei den Fünf- bis Elfjährigen lag die zweite Impfung zwei Wochen bis etwa drei Monate zurück, die Schutzwirkung gab das Forschungsteam mit etwa 30 Prozent an. Das heißt also: Die Impfung verhinderte knapp ein Drittel der Infektionen, die ohne Impfung auftreten würden. Zum Vergleich: In der Zulassungsstudie lag der Schutz über einen Zeitraum von gut zwei Monaten bei rund 90 Prozent.

Bei den 12- bis 15-Jährigen verhinderte die Impfung im Zeitraum von zwei Wochen bis knapp fünf Monate nach der zweiten Dosis rund 60 Prozent der Infektionen im Vergleich zu Ungeimpften. In der Zulassungsstudie waren es über einen Zeitraum von rund zwei Monaten nahezu 100 Prozent.

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Wie gut schützt die Impfung vor schwereren Verläufen?

Wie gut die Impfung Kinder und Jugendliche vor Krankenhauseinweisungen beziehungsweise Notfallbehandlungen schützte, berechneten Forschende in zwei weiteren Studien mit US-amerikanischen Daten. Die Gruppen werteten die Daten in den beiden Studien jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der zweiten Impfung aus, damit sind sie nicht direkt vergleichbar.

Bei den Fünf- bis Elfjährigen bezifferten die Untersuchungen den Schutz vor solchen schwereren Verläufen auf knapp 70 Prozent innerhalb von einem Monat nach der zweiten Impfung beziehungsweise etwa 50 Prozent innerhalb von zwei Monaten nach der zweiten Impfung. Bei den 12- bis 15-Jährigen lag die Wirksamkeit der Impfung bezogen auf schwere Verläufe rund fünf Monate nach der zweiten Impfung bei etwa 35 bis 45 Prozent. Vor sehr schweren Verläufen scheint die Impfung Jugendliche noch besser zu schützen. Die Wirksamkeit berechneten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit rund 80 Prozent.

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Was bringt der Booster für Jugendliche?

Wenn die zweite Impfung mehr als fünf Monate zurücklag, schützte die Impfung schlechter gegen schwerere Verläufe. In einer der beiden Studien untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusätzlich den Schutz vor einer durch Omikron bedingten Notfallbehandlung, wenn Jugendliche eine Boosterimpfung bekommen hatten: Die Wirksamkeit lag eine Woche nach der dritten Spritze bei rund 80 Prozent.

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Wie aussagekräftig sind die Studien?

Um die Ergebnisse richtig einordnen zu können, sind die Details der Studien wichtig: Im Gegensatz zu den Zulassungsstudien handelt es sich bei den drei jüngsten Untersuchungen lediglich um Beobachtungen. Bei diesem Studientyp werden die Teilnehmenden nicht nach dem Zufallsprinzip der Impfgruppe oder der Kontrollgruppe zugeordnet. Das ist problematisch: Denn möglicherweise gibt es außer dem Impfstatus noch andere wichtige Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften, die sich auf Testung, Ansteckung oder schwerere Verläufe auswirken. Zum Teil haben die Studien solche Faktoren weitgehend berücksichtigt. Ganz ausschließen lässt sich indes nicht, dass andere Faktoren die Ergebnisse verzerren.

Hinzu kommt: Die Schätzungen der Wirkung der Impfstoffe sind recht ungenau. Möglicherweise könnte der Schutz also auch deutlich kleiner ausfallen.

Die Studien haben außerdem nur die Risiken für Geimpfte mit denen von Ungeimpften verglichen. Aus den Ergebnissen lässt sich allerdings nicht das absolute Risiko ableiten, also welcher Anteil der Personen mit beziehungsweise ohne Impfung sich über einen bestimmten Zeitraum anstecken oder erkranken würde.

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Was bedeuten die Ergebnisse?

Die Untersuchungen bestätigen, was sich in den Studien zum Nutzen der Impfung bei Erwachsenen gezeigt hat: Im Vergleich zum Wildtyp des Coronavirus oder der Delta-Variante schützt die Impfung wahrscheinlich schlechter vor einer Ansteckung mit Omikron. Der Schutz vor schwereren Verläufen ist jedoch weiterhin hoch. Für Jugendliche liefern die Studien Hinweise, dass der Impfschutz gegen Omikron im Verlauf der Zeit abnimmt, aber durch einen Booster wieder steigt. Weil die Kinder in den Untersuchungen relativ frisch geimpft waren, lassen sich aus diesen Daten keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen, wie viel bei ihnen ein Booster nutzen würde und wann er sinnvoll sein könnte.

Die Recherchen für diesen Beitrag wurden von der Riff freie Medien gGmbH aus Mitteln der Klaus Tschira Stiftung gefördert.

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