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Posttraumatische Belastungsstörung: Opfer von Beinaheabsturz helfen Traumaforschern

Wer entwickelt eine Traumastörung und wer nicht? Das wollen Forscher mit Hilfe von Flugzeugpassagieren erforschen, die einen Beinaheabsturz durchstehen mussten.
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Es müssen 30 Minuten purer Angst gewesen sein: Im August 2001 auf halber Strecke über den Atlantik entdeckte der Pilot des Air-Transat-Flugs 236, dass Treibstoff durch ein Leck ausgelaufen war. Die Triebwerke fielen aus, die Besatzung bereitete die Passagiere auf eine Notwasserung vor. Doch dank des längsten Gleitflugs, der je einem Jet gelang, schaffte es der Pilot, auf einer Azoreninsel notzulanden. Die allesamt unverletzten Passagiere berichteten, während der ganzen Zeit Todesängste ausgehalten zu haben.

Eine von ihnen war die Psychologin Margaret McKinnon von der McMaster University in Hamilton. Gemeinsam mit zwei Kollegen hat sie seitdem 15 weitere Passagiere dazu bewogen, an ihrer Studie zur posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) teilzunehmen. Der große Vorteil sei, dass alle Teilnehmer die gleiche Erfahrung durchgemacht hatten, erläutert McKinnon. Trotzdem habe sich nur bei einigen eine PTSD entwickelt.

Die Forscher sind daher auf der Suche nach individuellen Unterschieden: Was leistet einer Traumastörung Vorschub und was schützt vor der belastenden Erinnerung? Dazu verglichen die Wissenschaftler die Erinnerung an den Beinaheabsturz mit anderen Ereignissen aus dem gleichen Jahr – nämlich dem 11. September und einem emotional neutralen Vorfall. Alle Teilnehmer erinnerten sich äußerst lebhaft an das Szenario im Flugzeug. Aber nur Personen mit PTSD konnten sich dabei an besonders viele Details erinnern, die nur am Rande mit dem Ereignis zu tun hatten.

Insgesamt sei es also womöglich weniger die Art der Belastung selbst, die über das Auftreten einer PTSD entscheidet, als vielmehr die Art und Weise, wie ein Patient Informationen im Langzeitgedächtnis abspeichert, erklärt die Forscherin. Menschen falle es leichter, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, wenn sie externe Details ausblenden könnten und ihre Erinnerungen steuern könnten, erläutert der Leiter der Studie Brian Levine von der University of Toronto. Mehr über die unterschiedlichen Arten der Verarbeitung soll demnächst eine Untersuchung im Hirnscanner offenbaren, an der zehn der Air-Transat-Passagiere teilnehmen werden.

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  • Quellen
Clinical Psychologial Science

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