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Frühgeschichte Mexikos: Opfergaben bezeugen Baubeginn der Sonnenpyramide in Teotihuacan

Opfergaben bezeugen Baubeginn der Sonnenpyramide in Teotihuacan

Vor Baubeginn einer neuen Tempelpyramide holten die Bewohner von Teotihuacan zunächst die Zustimmung ihrer Götter ein. Und dafür begruben sie an Ort und Stelle kostbare Gegenstände – und opferten Menschen.

Die Maske
Die Maske … | … aus Jade wurde vermutlich bei Baubeginn der Sonnenpyramide im 1. Jahrhundert n. Chr. niedergelegt. Zudem fanden sich auf der handtellergroßen Steinmaske mehrere Pfeilspitzen aus Obsidian.

Dass es sich bei der Erbauung der Sonnenpyramide von Teotihuacan tatsächlich so zugetragen hat, legt nun ein außergewöhnlicher Fund nahe, den mexikanische Archäologen unter dem Gebäude entdeckten: Umgeben von Steingeräten aus Obsidian, Tongefäßen, menschlichen Figürchen und Überresten von Tieren lag eine fein säuberlich geschnitzte Maske aus Jade. Die Stücke, in deren nächster Nähe sich auch die Gräber von sieben Personen befanden, wurden vermutlich um 50 n. Chr. im Zuge eines Rituals niedergelegt.

Ein Forscherteam vom Instituto Nacional de Antropología e Historía in Mexiko-Stadt sowie der Aichi University in Japan stieß auf die Ansammlung im Fundament des 65 Meter hohen Bauwerks. "Sie wurde wahrscheinlich während einer Gründungszeremonie des Gebäudes dort vergraben – bei Baubeginn vor mehr als 1900 Jahren", so der Archäologe Enrique Peréz Cortés. Sein Kollege Saburo Sugiyama geht davon aus, dass die Opfergaben einem Regengott galten, "einer Frühform von Tlaloc", wie ihn später die Azteken nannten.

Die Sonnenpyramide
Die Sonnenpyramide … | … steht im Zentrum von Teotihuacan und ist die drittgrößte Pyramide der Welt. Um die gesamte Ruinenstadt und die imposanten Bauwerke hüllen sich zahlreiche Geheimnisse. So ist bislang noch unbekannt, wer ihre Erbauer waren, woher sie kamen und aus welchem Grund sie die Stadt um 750 n. Chr. verließen.

Ein ähnliches Gründungsdepot fand sich schon bei früheren Erkundungen zwischen 1998 und 2004 unter der gegenüberliegenden Mondpyramide. Dieses Bauopfer bestand aus einer beträchtlichen Anzahl Tierknochen. Außerdem wurden mehrere Kammern frei gelegt, in denen sich menschliche Gebeine befanden.

Schon seit Langem versuchen Forscher die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anfänge Teotihuacans, die noch weitgehend im Dunklen liegen, zu rekonstruieren. Zu seiner Blütezeit im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. bildete der Ort die größte Stadt im damaligen Mittelamerika. In dieser Zeit übte die Metropole auch starken Einfluss auf die Kultur der umliegenden Ortschaften und Siedlungen aus. Den heute bekannten Namen gaben ihr die Azteken, die im 13. Jahrhundert die damals bereits verlassene Stadt neu besiedelten.

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