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Menschenaffen: Orang-Utan-Mütter helfen ihrem Nachwuchs altersgerecht

Orang-Utan-Mütter hüten ihre Kinder zwar lange, bringen ihnen aber aktiv nichts bei – dachten Forscher zumindest. Nun entdeckten sie, wie die Tiere ihrem Nachwuchs trotzdem auf die Sprünge helfen.
Sumatra-Orang-Utan-Mutter mit Kind

Orang-Utans sind echte Supermütter: Rund neun Jahre lang kümmern sie sich um ihren Nachwuchs und weichen ihm nicht von der Seite – so lange, wie kaum ein anderes Säugetiere abgesehen vom Menschen. Junge Orang-Utans lernen währenddessen, wie man sich in der Welt der Erwachsenen zurechtfindet, indem sie ihre Mütter beobachten. Diese verhalten sich dabei erstaunlich passiv – dachten Forscherinnen und Forscher zumindest lange. Nun konnte ein Team um Caroline Schuppli vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie zeigen, dass Orang-Utan-Mütter ihren Sprösslingen beim Lernen wohl doch stärker unter die Arme greifen als angenommen: Offenbar reagieren sie altersgerecht auf ihre Kinder und helfen vor allem bei Dingen, die noch zu kompliziert für die Kleinen sind. Hilfe bei Banalem lehnen sie hingegen ab.

Die Gruppe um Schuppli beobachtete über 13 Jahre hinweg 21 junge Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii) bei der Interaktion mit ihrer Mutter auf der Nahrungssuche. Die Forscher konzentrierten sich vor allem auf jene Situationen, in denen die jungen Affen bei ihrer Mutter um Nahrung bettelten und versuchten, ihr diese aus der Hand zu nehmen. Wie nachgiebig sich die erwachsenen Tiere dabei zeigten, hing offenbar vom Alter der jungen Orang-Utans ab sowie von der Frage, wie kompliziert es war, dieses spezielle Nahrungsmittel zu beschaffen. Dabei galt, dass die Mütter großzügiger mit ihrem Nachwuchs waren, je schwieriger es war, das Nahrungsmittel zu sammeln. Mussten dafür zum Beispiel Werkzeuge wie Stöcke eingesetzt werden, teilten die Mütter häufiger mit ihren Kindern. Bei leicht zu beschaffenden Lebensmitteln wie Blättern, die man einfach nur irgendwo abzupfen muss und dann direkt essen kann, erwarteten die Mütter hingegen früher, dass der Nachwuchs selbst sammeln ging. In sensiblen Lernphasen teilten die Tiere ebenfalls häufiger mit ihren Jungen.

Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass die Mütter ihre Sprösslinge so dazu ermuntern, nach und nach mehr Selbstständigkeit bei der Nahrungssuche zu entwickeln. Ob man allerdings davon sprechen kann, dass die Orang-Utan-Mütter ihre Kinder gezielt »unterrichten«, wie es einige andere Tierarten tun, ist unklar. Immerhin würden die Tiere aber bewusst das Lernverhalten ihrer Kinder beeinflussen, sagt Schuppli. »Sie tun dies jedoch eher reaktiv als proaktiv. Interessanterweise gab es nur sehr wenige Fälle, in denen die Tiere aktiv Nahrung teilten. Das bedeutet, dass junge Orang-Utans beim Lernen die Initiative ergreifen müssen. Das ist ein großer Unterschied zum Menschen, wo aktives Lehren eine wichtige Rolle spielt. Es unterscheidet sich auch von Schimpansen, bei denen die Mütter ebenfalls proaktiver zu sein scheinen.«

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