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News: Ortung mit dem ganzen Körper

Seekühe "fischen" meist im Trüben und ecken trotzdem nur selten an. Die Übersicht behalten sie anscheinend durch eine empfindliche Ganzkörperbehaarung, die in Aufbau und Sensibilität den Schnurrhaaren von Katzen und Hunden gleichen. Wird eins der Härchen gekrümmt, schicken Sinneszellen Signale ans Gehirn: Der Fremdkörper ist geortet.
Katzen zittern vor Behaglichkeit schon mal mit den Schnurrhaaren und auch Hunde besitzen die empfindlichen Sinnesorgane rund um die Schnauze, um sich mit dem sechsten Sinn besser orientieren zu können. Noch wichtiger scheint diese Form der Umgebungserforschung zu sein, wenn auf Augen, Ohren und Nasen nicht viel Verlass, oder einfach die Sicht getrübt ist.

So verlassen sich viele Fische, die sich nicht mit Echolotung zurecht finden, auf ihr so genanntes Seitenliniensystem. Entweder direkt an der Körperoberfläche, oder in Kanälen versenkt, befinden sich druckempfindliche Sinneszellen, die wie unsere Haarzellen im Ohr funktionieren: Druck auf das hervorstehende Haar krümmt es und die Haarzellen senden diese Energie in Form von Signalen ans Gehirn weiter. Dank ihres sechsten Sinnes können Fische Wasserströmungen und Druckwellen wahrnehmen.

Eine ähnlich empfindliche Unterwasserortung scheinen auch Seekühe zu nutzen, wenn sie schwerfällig durch das mit Gerbstoffen oder Sedimenten getrübte Wasser pflügen. Den sechsten Sinn der großen Säugetiere haben Roger Reep und seine Kollegen von der University of Florida entdeckt, als sie der über den ganzen Körper verteilten Behaarung näher auf den Pelz rückten. Feine Gewebeschnitte an Tierleichen – Opfern von Bootsunfällen – öffneten den Forschern den Einblick auf die engste Umgebung der Haarzellen.

Genau wie bei den Haarzellen in unseren Ohren steht in der Mitte der Zelle ein so genanntes Tasthaar hervor. Wird es durch eine Veränderung der Umgebung gekrümmt, löst dies Druck auf den benachbarten Mechanorezeptor aus, der nun elektrische Signale in Form von Aktionspotentialen ans Gehirn leitet, wo die Information lediglich "gelesen" werden muss. Bei den Seekühen reicht die Sicht mithilfe der Tasthaare allerdings nicht sehr weit. Entfernte Schiffe, die sich mit hoher Geschwindigkeit nähern, können die Tiere nicht wahrnehmen: Zusammenstöße sind somit vorprogrammiert.

Die Forscher hoffen nun, die vom Aussterben bedrohten Tiere dank ihres Wissens um deren Antennensystem besser schützen zu können. "Diese Studie erlaubt es uns die natürliche Geschichte des Tieres besser zu verstehen", sagt Reeps Mitarbeiter Chris Marshall. "Und mit dem Verständnis der natürlichen Geschichte können wir es besser managen und schützen."

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