Ostsee: Buckelwal erneut gestrandet, Rettungsversuch am Sonntag

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Die Freiheit dauerte nicht lange. Nachdem der Buckelwal in der Nacht zum Freitag (27. März) von einer Sandbank bei Timmendorfer Strand losgekommen war, ist er erneut gestrandet. Der Meeressäuger liegt nun auf einer Sandbank in der Wismarbucht, wie eine Greenpeace-Sprecherin bestätigte.
Eine erneute Rettungsaktion soll es zunächst nicht geben. »Wir wollen dem Wal die Chance geben, sich selbst zu befreien«, sagte der Meeresbiologe der Organisation Greenpeace, Thilo Maack, der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. Dies sei mit anderen Akteuren wie dem Deutschen Meeresmuseum abgestimmt worden. Erst am Sonntag könnte es neue Rettungsversuche geben.
Wasser um die Sandbank diesmal deutlich tiefer
»Der Wal macht nach wie vor Anstalten, loszuschwimmen«, sagte Maack, der am Samstag selbst im Schlauchboot in der Nähe des gestrandeten Tieres saß. »Wir hoffen daher, dass er sich selbst befreit.« Der Buckelwal war am Nachmittag in der Wismarbucht gestrandet, laut Maack südlich der Insel Walfisch. Rund um die Sandbank sei das Wasser deutlich tiefer als am Timmendorfer Strand, wo der Buckelwal zuvor festsaß und wo es nur rund einen Meter tief gewesen sei, erläuterte der Meeresbiologe.
Die Boote hätten sich zurückgezogen. »Das Beste ist jetzt, den Wal komplett in Ruhe zu lassen«, sagte Maack. Wie es dem Tier gehe, sei derzeit schwer einzuschätzen und hänge von der Verfügbarkeit von Nahrung und davon ab, wie gestresst es sei.
Experten wollen am Sonntag wiederkommen
Die Wasserschutzpolizei bleibe in der Nacht vor Ort, um den Wal im Auge zu behalten. Am Sonntag bei Tagesanbruch werden die Experten laut Maack planmäßig in die Bucht zurückkehren. Wie eine Biologin des Deutschen Meeresmuseums der dpa sagte, waren die Wetterverhältnisse am Samstagnachmittag für mögliche Aktionen ohnehin ungünstig. Zudem dauere es nicht mehr lange, bis es dunkel werde.
Landesumweltminister: Wal möglichst in Ruhe lassen
»Sollte das Tier sich bis morgen nicht befreit haben, werden die Fachleute vor Ort versuchen, den Wal sanft anzustupsen und in Richtung tieferes Wasser zu bewegen«, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit. Ganz in der Nähe des Wals gebe es eine tiefere Rinne, es sei möglich, dass der Wal sich selbsttätig dorthin bewege. »Dafür wollen wir ihm die Nacht über Zeit lassen.«
Backhaus bat darum, das sicher geschwächte und gestresste Tier möglichst in Ruhe zu lassen, damit sich sein Zustand nicht weiter verschlechtere. Die Wasserschutzpolizei werde verhindern, dass sich Unbefugte dem Tier nähern. »Ich bitte erneut darum, solche Versuche zu unterlassen und den Wal mit mindestens 500 Metern Abstand zu passieren.«
Suche mit Booten in der Ostsee
Ein Boot der Wasserschutzpolizei war seit dem frühen Morgen die Küste abgefahren, wie ein Sprecher dieser Polizei auf Nachfrage sagte. Das Polizeiboot »Walfisch« war demnach zudem auf Streife unterwegs gewesen und hatte die Suche dadurch indirekt unterstützt.
Auch Greenpeace war laut einer Sprecherin der Organisation am Samstag mit zwei Booten an der Suche beteiligt gewesen. Man wolle zu dem Wal gelangen, um ihn weiter in tieferes Wasser der Ostsee zu drängen, hieß es. Im Idealfall finde der junge Wal von dort den Weg zurück in den Atlantik.
Tier befreite sich vor Timmendorfer Strand
Der 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger war am Montagmorgen (23. März) auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt worden. Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer hatte sich das Tier in der Nacht zum Freitag selbst von der Sandbank durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne befreit.
Nach der überraschenden Rettung war der Wal am Freitagnachmittag aus der Lübecker Bucht in Richtung Mecklenburg geschwommen, allerdings in Küstennähe. Zeitweise sei er wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen, sagte ein Sprecher der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Zusammen mit Mitarbeitern von Greenpeace hatte Sea Shepherd das Tier mit Schlauchbooten begleitet. Nach mehreren Stunden wurde die Beobachtung beendet.
Warum der Wal vor Timmendorfer Strand aufgetaucht war, ist bislang unklar. Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie können nach Expertenangaben auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könne eine Rolle spielen.
Wal vor Walfisch
Der Buckelwal strandete ausgerechnet in der Nähe der Insel Walfisch. Mit einer Größe von rund zwölf Fußballfeldern ist die Vogelschutzinsel unbewohnt und steht unter Naturschutz. Sie ist ein Zuhause für Sturmmöwen, Silbermöwen, Stockenten und Höckerschwäne. Ob die Form der Insel einst den Ausschlag für den Namen gab, ist nicht belegt. Der Name tauchte im 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit einer Festung auf, die längst zerstört ist und deren Reste im flachen Wasser vor der Insel liegen.
Warum Wale stranden, ist bis heute nicht komplett verstanden. In unserem Artikel hier lesen mehr zu diesem Phänomen.
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