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Hirnforschung: Oxytocin hemmt Angstzentrum des Gehirns

Das Neuropeptid Oxytocin schwächt die Aktivität und die Verbindungen angstverarbeitender Schaltkreise im Gehirn – und schafft so die Grundlage für Vertrauen. Dies entdeckte Andreas Meyer-Lindenberg vom National Institute of Mental Health in Bethesda zusammen mit Peter Kirsch von der Universität Gießen und weiteren Kollegen anhand bildgebender Verfahren.

Oxytocin ist auch als Liebes-, Treue- oder Kuschelhormon bekannt, denn der Körper schüttet es in besonders glücklichen Momenten vermehrt aus. So sorgt es nach dem Orgasmus für ein Gefühl tiefer Geborgenheit. Aber auch bei angenehmen Berührungen versetzt es uns in wohlige Gefühle. Gleichzeitig reduziert das Hormon die Ängstlichkeit und steigert das Vertrauen.

Das Team um Meyer-Lindenberg hatte nun untersucht, wie sich das von Oxytocin hervorgerufene Vertrauen im Gehirn widerspiegelt. Dazu ließen die Forscher zuerst 15 gesunde Männer entweder an einem Fläschchen mit dem Hormon oder mit einem Placebo riechen. Im Magnetresonanztomografen (fMRI) schauten sich die Versuchspersonen dann Fotos mit bedrohlichen Motiven an.

Wie von den Wissenschaftler erwartet, aktivierte der Anblick dieser Bilder in der Placebogruppe das Angstzentrum Amygdala. Bei Männern, die am Oxytocin schnüffelten, zeigte diese Hirnregion dagegen eine deutlich geringere Aktivität. Ganz besonders ausgeprägt war dieser Unterschied bei der Betrachtung beängstigender Gesichter. Daher vermuten die Forscher, dass Oxytocin gerade bei sozialen Ängsten eine große Rolle spielt.

Meyer-Lindenberg hofft, dass sich Oxytocin eines Tages in der Angsttherapie einsetzen lässt: So könnte der Stoff beispielsweise autistischen Kindern ihre Furcht vor anderen Menschen nehmen.
10.12.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 10.12.2005

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