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Ozeane: Erstmals Hai in der Antarktis gefilmt

Bislang galten die eiskalten Gewässer rund um den Südpol als einigermaßen haifrei. Doch mithilfe von Kameras konnte ein Südlicher Schlafhai gefilmt werde.
Ein großer Hai schwimmt in der Tiefsee über einem sandigen Meeresboden. Im Vordergrund ist ein Teil einer Kamera zu sehen, die den Hai filmt. Die Umgebung ist dunkelblau, mit schwebenden Partikeln im Wasser.
Der Südliche Schlafhai guckt durchaus überrascht in die Kamera.

Die Gewässer rund um den Südpol sind größtenteils noch unbekanntes Gelände für die Forschung. Das belegte auch wieder eine Erkundungsfahrt, die das Minderoo-UWA Deep-Sea Research Centre und Inkfish Expeditions 2025 gemeinsam in das Meer rund um die Antarktische Halbinsel vornahmen. Zu seiner großen Überraschung konnte das Team mithilfe fest installierter Kameras auf dem Meeresboden einen Südlichen Schlafhai (Somniosus antarcticus) vor den Südlichen Shetlandinseln nachweisen: Es ist der erste Beleg eines lebendigen Hais in antarktischen Gefilden.

Die Forscher hatten rund um die Inseln Köder in Form von toten Fischen ausgebracht, die sie mit den Kameras überwachten. Damit wollten sie beobachten, welche Tiere auf dem Meeresboden angelockt werden, um mehr über die Artenvielfalt der Region herauszufinden. Als sie die Aufnahmen auswerteten, sahen sie den Raubfisch, der einer schwimmenden Zigarre ähnelt. Es handele sich um den am weitesten südlich erbrachten Nachweis eines Hais, so die Wissenschaftler. Ursprüngliches Ziel der Expedition war es, die Artenvielfalt des South-Shetland-Tiefseegrabens zu dokumentieren. Der Hai war dabei der absolute Bonus.

Schlafhaie führen ein eher langsames, aber langes Leben in der Tiefsee und kommen durchaus in kalten Regionen vor, wie der bekannte Grönlandhai (Somniosus macrocephalus) aus der Arktis belegt: Er gilt als eines der Wirbeltiere, die außergewöhnlich alt werden können. Ein Exemplar erreichte stattliche 272Jahre, doch vermuten Biologen, dass sie sogar noch länger leben dürften.

© Inkfish Expeditions
Hai in der Antarktis

Vorherige Nachweise von Haien im Südpolarmeer umfassten tote Tiere als Beifang von Fischfangflotten: Die Raubfische gelten als sehr selten rund um die Antarktis, und ihre Lebensweise ist daher kaum bekannt. Der Schlafhai tummelte sich in einer Tiefe von 490 Metern, wo die Wassertemperatur nur etwa zwei Grad Celsius betrug. Dennoch war das Meer in diesem Bereich etwas wärmer als in höheren Schichten, was dem Hai den südlichen Vorstoß wohl ermöglichte, vermuten die Wissenschaftler: Im Gegensatz zu den meisten Fischarten der Antarktis verfügen die Haie nicht über eine Art Frostschutz im Blut. Die bis zu vier Meter langen Schlafhaie jagen hier wahrscheinlich verschiedene Arten an Kopffüßern wie Tiefseekraken.

Ob die Art hier häufiger vorkommt, ist völlig ungeklärt: Die harschen Bedingungen vor Ort erlauben immer nur kurze Expeditionen. Insgesamt hat das Team über 400 Stunden Filmmaterial gewonnen, doch nur ein einziges Mal einen Hai gesehen.

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