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Ozeane: Totgesagte Riffe leben länger

Über Jahrzehnte hinweg nahm man an, dass die Korallenriffe vor Benin tot seien. Doch Tauchgänge erbrachten nicht nur den Gegenbeweis: Das Ökosystem blüht vor Leben.
Unterwasseraufnahme eines Korallenriffs mit verschiedenen Arten von Weichkorallen in leuchtenden Farben wie Gelb, Lila und Rot. Die Korallen sind auf sandigem Meeresboden verteilt. Im Hintergrund sind weitere Korallenstrukturen zu sehen. Unten rechts ist ein Zeitstempel mit dem Datum 2025/12/24 und der Uhrzeit 12:15:59 eingeblendet.
Korallenriffe existieren nicht nur nahe der Wasseroberfläche, sondern auch in Dutzenden Metern Tiefe, wo es weniger Licht gibt. Dennoch sind sie artenreich, wie dieses Beispiel vor der Küste Benins zeigt.

Im Jahr 1963 machten sich Wissenschaftler auf, um vor der Küste des westafrikanischen Staats Benin den Meeresgrund zu kartieren. Ziel war es, lohnenswerte Fischgründe zu identifizieren, doch dabei stießen die Beteiligten auch auf riffartige Strukturen. Diese wurden nicht näher untersucht und stattdessen gleich als tot deklariert. Eine Falschannahme: Etwas mehr als 60 Jahre später untersuchte eine Arbeitsgruppe um Gérard Zinzindohoué vom Ozeanforschungsinstitut in Benin die Region nochmals genauer – und entdeckte ein sehr lebendiges Korallenriff wieder, in dem zahlreiche Arten Zuhause sind.

Das Team hatte das fragliche Gebiet am Rand des westafrikanischen Kontinentalschelfs von einem Forschungsschiff aus mit Sonar untersucht, bis es auf Signale stieß, die erneut das Riff andeuteten. Anschließende Tauchfahrten mit einer Unterwasserdrohne zeigten dann tatsächlich in einer Tiefe von rund 50 Metern die Korallengemeinschaften. Es handelte sich dabei aber nicht um ein kontinuierliches Riff, denn die Korallen wachsen immer nur auf geeigneten Felsen, zwischen denen sich Flächen aus weichem Sediment erstrecken. 

Im Gegensatz zu oberflächennahen Korallenriffen dominieren hier keine Stein-, sondern Weichkorallen (Octocorallia), von denen die Forscher mindestens sechs Arten nachweisen konnten. Dazu identifizierten sie zwei Arten an Schwarzen Korallen (Antipatharia), auch Dörnchenkorallen genannt. Dazwischen bewegten sich acht Rifffischarten, die auf den Kameraaufnahmen zu sehen waren. Die gesamte Artenvielfalt dürfte jedoch viel größer sein; die Bilder zeigen wahrscheinlich nur kleine Ausschnitte der Tierwelt.

Dies sei der erste Nachweis eines sogenannten mesophotischen Korallenriffs am Schelfrand des Golfs von Guinea, schreiben Zinzindohoué und Co. Es handelt sich also noch nicht um ein richtiges Tiefseeriff, es unterscheidet sich aber bereits deutlich von den Korallenriffen nahe der Wasseroberfläche. In diese mittleren Lagen dringt bereits deutlich weniger Licht vor, was sich entsprechend auf die Zusammensetzung der Arten auswirkt. Diese Riffe finden sich in tropischen Gewässern in einer Tiefe von 30 bis 150 Metern. Da die Region prinzipiell schlecht erforscht ist, hoffen die Meeresforscher darauf, noch mehr dieser Ökosysteme vor Ort zu finden.

  • Quellen

Zinzindohoué, F. et al., Frontiers in Marine Science 10.3389/fmars.2026.1848226, 2026

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