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News: Ozon bremst Wachstum von Kinderlungen

Hohe Ozonkonzentrationen in der Luft reizen die Atemwege und können insbesondere bei Asthmakranken und älteren Menschen zu starken Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlicher Atemnot führen. Österreichische Mediziner wiesen nun erstmals einen Langzeiteffekt des Reizgases nach. Demnach wuchs die Lungenkapazität bei Kindern aus stark belasteten Gebieten langsamer als in der gleichen Zeit bei Altergenossen aus vergleichsweise unbelasteten Regionen.
In hochgelegenen Atmosphärenschichten schützt es unser Leben, in Bodennähe ist es aber eher unerwünscht – das Ozon. Jeden Sommer gibt es Ozon-Warnungen. Doch unklar war bisher, wie sich das vor allem durch Autoabgase entstehende Reizgas langfristig auf Kinder auswirkt. Thomas Frischer von der Universitäts-Kinderklinik in Wien fasst die Ergebnisse seiner Langzeitstudie zusammen: "Insgesamt zeigen unsere Daten, dass eine wiederholte Ozon-Belastung das Wachstum der Lunge von Kindern negativ beeinflusst" (European Respiratory Journal von November 2000).

"Der Mensch hat ein Atemvolumen, eigentlich nennt man das die Vitalkapazität, von ein bis zwei Litern. Zwischen dem achten und dem zehnten Lebensjahr wächst diese Vitalkapazität um rund 40 Prozent", sagt Frischer. Die Wissenschaftler überprüften, inwieweit sich die Kapazität bei den Schulkindern in dem Untersuchungszeitraum entwickelt hat. Frischer und sein Team haben dazu in den Jahren 1994 bis 1996 insgesamt 797 Kinder im Durchschnittsalter von 8,2 Jahren sechs Mal – vor und nach dem Sommer – auf ihre Lungenkapazität untersucht. Im Sommer sind die Ozonwerte in der Regel wesentlich höher als im Winter. Die Forscher erwarten deshalb nach der heißen Jahreszeit die größte Abweichung in der Kapazität bei Probanden aus Ozon belasteten und nicht belasteten Gebieten.

Die Mediziner haben die Messwerte aus den Lungenfunktionsprüfungen mit Ozon-Tests in jeweils den Orten verglichen, in denen die Kinder leben. Es handelte sich dabei um Gemeinden mit durchschnittlich niedrigen oder hohen Ozonwerten. Frischer stellte fest: "Jene Kinder, die aus Regionen stammten, die im Sommer durchschnittlich 44 bis 52 ppb an Ozonwerten aufwiesen, hatten im Mittel (in dieser Zeit) ein um 170 Milliliter geringeres Wachstum der Vitalkapazität als Kinder aus Gegenden mit weniger, also geringer Ozonbelastung." Das entspricht einer Reduktion dieses Wachstums um fünf Prozent.

Die Kinder in den stärker mit Ozon belasteten Regionen holten laut den Untersuchungen zwar jeweils in ihrem Lungenwachstum in den Wintermonaten wieder auf, ganz schloss sich aber diese Lücke nie. Frischer betont aber, dass die Angelegenheit nicht gefährlich sei: "Das verursacht keine Symptome. Man kann sich auch kaum davor schützen." Bei zusätzlichen Schädigungen zum Beispiel durch starkes Rauchen könnten die betroffenen Kinder in späteren Lebensjahrzehnten aber eventuell eher eine chronische Bronchitis entwickeln als bei weniger Ozon-Belastung in der Kindheit.

Mediziner spekulieren auch, ob die Einnahme von Vitamin C beziehungsweise Vitamin E die Wirkung des Reizgases zu hemmen vermag. Ozon führt zu Oxidations-Stress in der Lunge. Von den beiden Vitaminen wird vermutet, dass sie genau diese Schädigung bremsen können.

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