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Paläobiologie: Früher Pflanzenfresser ähnelte einem Football

So lang wie ein Kochlöffel, allerdings viel dicker: Der Pflanzenfresser Tyrannoroter heberti war für heutige Maßstäbe nicht sehr groß – doch zu seinen Lebzeiten vor 307 Millionen Jahren vergleichsweise ein Riese.
Eine künstlerische Darstellung eines prähistorischen, reptilienartigen Tieres mit schuppiger Haut, das in einer üppigen, bewaldeten Umgebung dargestellt ist. Das Tier hält einen Farn im Maul, umgeben von hohen, schlanken Bäumen und dichtem Farnbewuchs. Die Szene vermittelt eine urzeitliche Atmosphäre, die durch die weichen, natürlichen Farben und die detaillierte Textur der Schuppen und Pflanzen verstärkt wird.
Ob das salamanderartige Lebewesen (Illustration) auch Tiere fraß, wissen wir nicht – zumindest aber standen Pflanzen auf seinem Speisezettel, wie seine Zähne beweisen.

Eines der frühesten bekannten Wirbeltiere, die an Land lebten und Pflanzen fraßen, lebte vor 307 Millionen Jahren. Das haben Fachleute um Hillary Maddin von der Carleton University in Ottawa, Kanada, aufgrund von Fossilien herausgefunden

Das Leben auf der Erde begann im Wasser. Wann die ersten Wirbeltiere dazu übergingen, das Land zu besiedeln, ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich geschah es im späten Devon (circa 380 bis 360 Millionen Jahre vor heute). Die frühesten Landwirbeltiere scheinen vor allem Fleischfresser gewesen zu sein.

Maddin und ihr Team haben den fossilen Schädel eines Tiers untersucht, der sich auf 307 Millionen Jahre datieren lässt, also aus dem Zeitalter des Karbons stammt. Der Schädel wurde auf der kanadischen Kap-Breton-Insel gefunden, ist nahezu komplett erhalten und stammt von einem Vertreter der Vierfüßer (Tetrapoda). Mittels hochauflösender Computertomografie war es den Fachleuten möglich, die inneren Strukturen des Fossils zerstörungsfrei zu untersuchen und abzubilden. Dabei zeigte sich: Das Tier verfügte über ein Gebiss, das für Pflanzenfresser typisch ist – mit Zähnen zum Zerkleinern und Zermahlen von faserreicher, zäher Nahrung. Das bedeute jedoch nicht, dass es ein reiner Pflanzenfresser gewesen sei, wie die Arbeitsgruppe in einer Pressemitteilung betont. Vermutlich habe es sich auch von Insekten ernährt.

Die Forschungsgruppe gab dem Tier die Artbezeichnung Tyrannoroter heberti. Die Größe des Schädels deutet darauf hin, dass es ein stämmiges, vierbeiniges Wesen von rund 30 Zentimetern Länge war. »Es war in etwa so groß und ähnlich geformt wie ein Spielball beim American Football«, sagt Arjan Mann, Kurator am Field Museum of Natural History in Chicago, der an der Studie beteiligt war. Nach heutigen Maßstäben ist das nicht sehr beeindruckend, aber seinerzeit gehörte Tyrannoroter heberti zu den größten Landtieren. Vermutlich sah er ein wenig wie eine Eidechse aus, doch er lebte zu einer Zeit, bevor sich die Vorfahren der Reptilien und Säugetiere voneinander trennten, sodass er zoologisch betrachtet kein Reptil war.

Mit seinem breiten und herzförmigen Kopf ordnen die Fachleute das Tier den Microsauria zu, heute ausgestorbenen Landwirbeltieren. Vertreter dieser Gruppe waren meist salamanderartig; manche lebten terrestrisch, andere amphibisch. Sie hatten durchweg schon Gliedmaßen zur Fortbewegung an Land, auch wenn diese oft noch schwach ausgeprägt waren.

  • Quellen
Mann, A. et al., Nature Ecology & Evolution 10.1038/s41559–025–02929–8, 2026

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