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Paläontologie: Adler regierte Australien

Fossilien von Adlern sind sehr selten. Ein bemerkenswert gut erhaltenes Exemplar zeigt, wer damals die lokale Nahrungskette beherrschte – und dass Australien bewaldet war.
Künstlerische Darstellung von Archaehierax sylvestris

Die Gegend um den südaustralischen Lake Pinpa ist heute eine knochentrockene Wüste. Doch das war vor 25 Millionen Jahren ganz anders: Damals herrschte hier dichter Wald vor, in dem ein großer Adler an der Spitze der Nahrungskette stand und im Dickicht nach Beuteltieren jagte. Das zumindest lesen Ellen Mather von der Flinders University und ihr Team aus den fossilen Überresten von Archaehierax sylvestris, wie der Vogel genannt wurde. Den Fund stellt die Gruppe in »Historical Biology« vor.

Versteinerungen von Vögeln und speziell von Adlern werden selten gefunden, da die leichten und hohlen Knochen während der Fossilisierung häufig zerstört werden. Umso erfreuter waren Mather und Co über ihre Entdeckung. »Adler stehen an der Spitze der Nahrungskette und kommen dementsprechend selten vor – erst recht als Fossilien. Wir finden daher äußerst selten auch nur überhaupt einen Knochen. Dass wir nun ein fast komplettes Skelett haben, ist umso bemerkenswerter, vor allem, wenn man bedenkt, wie alt es ist«, sagt der an der Studie beteiligte Paläontologe Trevor Worthy.

Archaehierax sylvestris war demnach etwas kleiner als der heutige, große Keilschwanzadler (Aquila audax) Australiens. Aber die Gesamtheit der Klauen, de so genannte Fang – hatte einen Durchmesser von 15 Zentimetern, so dass er auch größere Beute töten und wegschleppen konnte. Umgekehrt fielen seine Schwingenknochen für einen Vogel seiner Größe relativ klein aus: Er besaß also eher kurze Flügel.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass der Adler in dichtem Wald jagte, wo er sich agil in der Vegetation bewegen musste. Gleichzeitig war er ein eher langsamer Flieger und erbeutete seine Nahrung als Ansitzjäger, der die Opfer aus der Deckung erlegen musste. Bisher bekannte räuberische Beuteltiere aus dieser Zeit und Region hatten Hunde- und Katzengröße und mussten womöglich selbst aufpassen, dass Archaehierax sylvestris sie nicht tötete. Daneben zählten auch Koalas, Kängurus und andere Pflanzenfresser sowie Wasservögel zu seinen potenziellen Beutetieren.

Unklar ist noch, wo in der Adlerfamilie sich das Tier einreihte: Es weist verschiedene Merkmale auf, die es von heutigen Habichtsartigen und Adlern unterscheidet. Womöglich gehörte die Art auf einen eigenen Zweig der Greifvögel, die nachfolgend ausstarb.

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