Paläontologie: Blütenpflanzen blühten bereits im Dino-Zeitalter groß auf

Vor 75 Millionen Jahren brach im Bereich des heutigen US-Bundesstaats New Mexico ein Vulkan aus, dessen Asche ein einzigartiges Ökosystem bedeckte – und so bis heute einen einmaligen Fossilienschatz bewahrte. Mindestens 77 verschiedene Sorten an Früchten und Samen konnte eine Arbeitsgruppe um Jaemin Lee von der University of California in Berkeley identifizieren, die für das Team nur einen Schluss zuließen: Hier existierte während der Kreidezeit ein Wald, der von Blütenpflanzen, den Angiospermen, dominiert wurde – zehn Millionen Jahre früher als bisher gedacht.
Zuvor hatte die Wissenschaft angenommen, dass der Aufstieg der Blütenpflanzen erst durch das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren begann. Damals hatte der Einschlag des Chicxulub-Asteroiden nicht nur das Aussterben aller Dinosaurier mit Ausnahme der Vögel verursacht, sondern ebenso viele andere Tiere und Pflanzen ausgerottet. Bis dahin, so die These, hatten nacktsamige Pflanzen, die Gymnospermen, dominiert. Dazu gehören unter anderem die Nadelbäume, die heute etwa in der Taiga weiterhin vorherrschen, damals aber globale Bedeutung hatten.
Lee und Co hatten für ihre Studie Fossilien analysiert, die seit den 1990er Jahren in der Jose Creek Formation in New Mexico gesammelt worden waren, und darüber die große Bandbreite an Angiospermen identifiziert. Im Gegensatz zu vielen anderen kreidezeitlichen Samenfunden, die meist kaum größer als Mohnsamen sind, erreichen viele Exemplare vom Jose Creek etwa die Größe von Blaubeeren. Dazu käme dann noch das die Samen umgebende Fruchtfleisch: Etwa ein Drittel der 77 Fruchttypen ordnen die Forscher als »fleischig« ein – es handelte sich also um mehr oder weniger weiches Obst. Nur etwa fünf Prozent wiesen Flügelchen auf, wie es für Samen typisch ist, die sich durch Wind verbreiten.
Mit ihrem Fruchtfleisch locken Pflanzen heute Säugetiere und Vögel an. Diese fressen die Früchte meist mit den Samen und scheiden letztere dann über den Kot an anderer Stelle wieder aus. Dadurch fördern die Pflanzen ihre eigene Ausbreitung, die weniger zufällig abläuft als über den Wind. Lange galt daher, dass die große Evolutionsgeschichte der Blütenpflanzen parallel zum Aufstieg der Säugetiere und Vögel im Paläogen erfolgte – nach dem Ende der restlichen Dinosaurier. Tatsächlich begann ihre Ära den neuen Erkenntnissen zufolge mindestens zehn Millionen Jahre früher. Zwar existierten erste Blütenpflanzen bereits vor 136 Millionen Jahren, doch handelte es sich dabei eher um kleine, krautartige Gewächse mit entsprechend kleinen Samen.
Wie das Ökosystem wirklich aussah, ist jedoch unklar. Entdeckt wurden bislang vor allem Samen und Früchte ohne die dazugehörigen Zweige mit Sprossen und Blättern. Neben den Überresten dieser Blütenpflanzen fanden sich in den Ablagerungen Fossilien von Nadelpflanzen und Palmen. Die Struktur des Waldes war also völlig anders als heute, vermuten die Forscher.
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