Direkt zum Inhalt

Paläontologie: Dinoschwanz war wie eine Peitsche, aber ohne Knall

In der Kreidezeit mussten selbst 20-Tonner Fressfeinde fürchten. Sie wehrten sich mit festen Schwanzschlägen. Ihr Schlag war aber langsamer als gedacht.
Brontosaurus (künstlerische Darstellung)
Brontosaurier mussten wenige Feinde fürchten. Falls es doch zum Angriff kam, wehrten sie sich mit ihrem Schwanz.

Die Geschichte klang einfach zu gut, um wahr zu sein: 1997 hatten Forscher mit einem Computermodell untersucht, wie die Dinosaurierart Apatosaurus louisae mit ihrem Schwanz zuschlägt, und kamen zu einem faszinierenden Schluss: Wenn das Tier ihn schwingt, gelinge das so schnell, dass er wie der Fall einer Peitsche die Schallmauer durchbrechen und einen kleinen Überschallknall erzeugen könnte. Der Hieb des Schwanzes sollte damit nicht nur schmerzhaft für Fressfeinde sein können, sondern auch als Warnung oder Kommunikationssignal dienen können.

25 Jahre später haben sich die Computermodelle extrem verbessert. Ein Team um Simone Conti von der NOVA School of Science and Technology lässt damit in »Scientific Reports« die Luft aus der damaligen Arbeit. Die neuen Berechnungen zeigen nämlich, dass der Dinoschwanz nicht mal ansatzweise die Geschwindigkeit erreichen konnte, um einen Überschnallknall auszulösen.

Conti und Co verwendeten fünf Diplodociden-Exemplare, zu denen Apatosaurus louisae gehört, um ein Modell eines typischen Sauropodenschwanzes zu erstellen. Mit einer Länge von zwölf Metern und einem Gewicht von 1,44 Tonnen waren diese Schwänze bereits sehr beeindruckend. Mit 82 Wirbeln wurden sie bewegt und waren daher auch ziemlich flexibel. Ihre Spitzen konnten beim Schlag immerhin Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde erreichen. Das liegt allerdings deutlich unter der Schallgeschwindigkeit von 1235,5 Kilometern pro Stunde.

Tatsächlich wäre der Schwanz gebrochen, wenn ihn die Dinos mit diesem Tempo hätten schwingen können. Zumindest zeigte das die Simulation. Dabei berücksichtigten die Wissenschaftler auch, dass sich die Luftzusammensetzung in der Kreidezeit von der heutigen unterschied: Sie hat Auswirkungen auf die Schallgeschwindigkeit. Selbst als sie dem Modell noch Puffer im Schwanz hinzufügten, hätte er diese Belastung nicht ausgehalten.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte