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Paläontologie: Kindsgroßer Schnabeligel durchstreifte Australien

Schnabeligel sind ein Sonderfall der Evolution: Als Säugetiere legen sie Eier. Einst erreichten sie auch beeindruckende Größen.
Ein Ameisenigel mit stachelartigem Fell und langem Schnabel sucht am Boden nach Nahrung. Der Hintergrund zeigt eine natürliche Umgebung mit Erde und Gras.
Schnabeligel leben heute noch in Australien und auf Neuguinea. Doch sie erreichen nicht die Größe ausgestorbener Verwandter.

Die Foul Air Cave im australischen Bundesstaat Victoria trägt ihren Namen zu Recht: Wer die Höhle betritt, stürzt ab, kommt nicht mehr heraus und verrottet in einer sauerstoffarmen Umgebung, in der beißender Gestank entsteht. Im Lauf der Zeit fielen zahlreiche Tiere in diese natürliche Falle, die sich als hervorragender Fundort für die vergangene australische Megafauna erweist. Darunter befindet sich auch ein Schnabel- oder Ameisenigel, der alle bisher bekannten Arten bezüglich der Größe massiv in den Schatten stellt und dessen Verbreitungsgebiet Tim Ziegler und Jeremy Lockett vom Museums Victoria Research Institute in Melbourne deutlich vergrößern. Die Megalibgwilia owenii genannte Art ist doppelt so groß wie heutige australische Schnabeligel und übertrifft auch die verwandten Langschnabeligel (Zaglossus) aus Neuguinea.

Schnabeligel sind wie die verwandten Schnabeltiere Sonderfälle der Evolution: Diese Kloakentiere legen Eier, säugen ihre Jungtiere aber. Ihre Verbreitung ist auf Australien und Neuguinea beschränkt, wo sie in verschiedenen Gattungen vorkommen, von denen Megalibgwilia inzwischen ausgestorben und nur als Fossilien bekannt ist. Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckten Forscher Überreste in der Foul Air Cave, die erst Ziegler und Lockett richtig untersuchten. Damit konnten die beiden belegen, dass der kindsgroße Ameisenigel einst auch durch Victoria zog. So können die Wissenschaftler eine bislang rätselhafte, 1000 Kilometer große Verbreitungslücke schließen.

Die Art lebte bis vor etwa 50 000 Jahren im heutigen Gebiet von Westaustralien bis zur Ostküste und auf Tasmanien. Nur in Victoria konnte sie lange nicht nachgewiesen werden. Den entscheidenden Knochen für die Bestimmung hatte man eher als Überrest eines fossilen Kängurubeins betrachtet. Doch Ziegler und Lockett erkannten darin mithilfe von 3D-Scans schließlich die Versteinerung eines Schnabelknochens – und damit die Nasen- und Mundpartie des Ameisenigels. 

Frühere Skelettfunde weisen darauf hin, dass es sich bei Megalibgwilia owenii um eine sehr kräftige und robuste Art gehandelt haben muss, die mit starken Vorderbeinen wahrscheinlich im Boden nach Würmern, Insekten und deren Larven gegraben hat. Vor 50 000 Jahren starb die Spezies wie viele andere große Vertreter der australischen Tierwelt aus, vermutlich aufgrund von Klimaänderungen. 

Wie schwer es ist, heute noch lebende Ameisenigel zu erforschen, zeigt übrigens der Attenborough-Langschnabeligel (Zaglossus attenboroughi) aus Neuguinea. Er galt 60 Jahre lang als verschollen, bevor ihn Biologen 2021 in den dichten Regenwäldern seines Verbreitungsgebiets wieder aufspüren konnten.

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  • Quellen
Ziegler, T., Lockett, J., Alcheringa: An Australasian Journal of Palaeontology 10.1080/03115518.2026.2643598, 2026

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