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Paläontologie: Knochen entpuppen sich als Dinofossil aus der Antarktis

Vor 70 Millionen Jahren war die Antarktis keine Eiswüste wie heute. Dort lebten auch die Vorfahren der größten Dinosaurier, wie nun zweifelsfrei belegt werden konnte.
Eine künstlerische Darstellung eines Dinosauriers in einem üppigen, grünen Wald. Der Dinosaurier hat einen langen Hals und einen kräftigen Körper, umgeben von hohen Bäumen und Farnen. Die Szene vermittelt eine prähistorische Atmosphäre mit natürlicher Vegetation im Hintergrund.
Illustration des Sauropoden: Die Knochen deuten auf einen Vorfahren der Titanosaurier hin, die größten Landtiere, die je auf der Erde gelebt haben.

Die zu großen Teilen von Eis bedeckte Antarktis ist nicht das einfachste Gelände für Paläontologen – und die Zahl der dort gefundenen Fossilien relativ überschaubar. Doch manchmal tauchen an eher unerwarteter Stelle bedeutende Versteinerungen auf, wie eine Arbeit von Paul Barrett vom Natural History Museum in London und seiner Arbeitsgruppe zeigt: Die Wissenschaftler konnten fossile Wirbelknochen untersuchen, die bereits 1985 von einer Expedition des British Antarctic Survey gesammelt worden waren und seitdem unbeachtet im Archiv lagerten. Entgegen früherer Annahmen gehörten sie jedoch nicht zu einem Meeressaurier, sondern zu einem der ersten Titanosaurier, die in der Antarktis nachgewiesen wurden.

Die Fossilien stammen aus der späten Kreidezeit vor 70 Millionen Jahren, als die Antarktis noch mit Südamerika verbunden war. Und statt Gletschern bedeckten damals feuchte, gemäßigte Wälder den Südkontinent, in dem unterschiedliche Dinosaurierarten lebten. Zumindest deuten dies die bislang spärlichen, paläontologischen Untersuchungen an. Die Lagerstätte, in der die Knochen gefunden wurden, umfasste vor allem Meeressaurier und andere marine Organismen wie Ammoniten, was die damaligen Expeditionsteilnehmer auf die erste, aber falsche Fährte gelockt hatte.

Die genauere Analyse im Labor hingegen ergab nun, dass es sich aufgrund der charakteristischen Knochenstruktur um die Überreste eines Sauropoden handeln müsste. Zu diesen zählten Giganten wie die Titanosaurier, von denen viele Fossilien in Patagonien entdeckt wurden. An deren Größe reichte die bislang noch nicht genau bestimmte Art aus der Antarktis mit sechs bis sieben Metern Länge allerdings nicht heran – wobei unklar bleibt, ob es schon ein ausgewachsenes Exemplar war oder ein Jungtier.

Bislang kennt die Wissenschaft rund ein halbes Dutzend Dinosaurierarten aus der Antarktis, doch die tatsächliche Zahl dürfte deutlich größer sein. Darunter befinden sich neben eher kleinen, pflanzenfressenden Arten wie Morrosaurus und gepanzerten Ankylosauriern wie Antarctopelta auch auf zwei Beinen laufende Raubsaurier wie Imperobator.

Der antarktische Titanosaurier könnte das Rätsel lösen, warum es diese Gruppe sowohl in Südamerika als auch in Neuseeland gab, aber nicht in Australien. Neuseeland war damals Teil des inzwischen weitgehend versunkenen Kontinents Zealandia. Und der lag relativ nahe an der antarktischen Halbinsel und Patagonien, aber weiter weg von Australien als heute. Die Sauropoden könnten daher von Südamerika über die damit verbundene Antarktis bis nach Zealandia gelangt sein, ohne ihre Füße auf den australischen Kontinent setzen zu müssen. Um das zu belegen, benötige man nach Ansicht der Forscher jedoch noch mehr Fossilien.

  • Quellen

Barrett, P. et al., Acta Palaeontologica Polonica 10.4202/app.01 315.2025, 2026

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