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Paläontologie: Verschollenes Fossil entpuppt sich als Salzwasserlurch

Ausgegraben, verschollen, wiederentdeckt – und dann werden aus einem Fossil gleich zwei Lurcharten. Sie stammen aus einer Zeit, in der Amphibien noch im Meer lebten.
Eine Illustration eines prähistorischen Meereslebewesens, das einem kleineren Fisch in einer Unterwasserszene nachjagt. Das größere Tier hat einen langen, schmalen, grünlichen Körper und scharfe Zähne. Die Umgebung ist von Wasserpflanzen umgeben, die eine natürliche, aquatische Atmosphäre schaffen.
Diese Illustration zeigt, wie Erythrobatrachus ausgesehen haben könnte: Die Amphibien lebten im Meer.

Heute leben keine Amphibien mehr in den Ozeanen der Erde. Doch vor 250 Millionen Jahren sah die Welt im Mesozoikum noch anders aus. Damals, kurz nach dem Perm-Massenaussterben, begann in der Trias der Aufstieg vierbeiniger Wirbeltiere – darunter auch potenzielle Vorfahren der heutigen Frösche, Kröten und Salamander, die tatsächlich noch salziges Meerwasser vertrugen. Das bezeugen Fossilien aus der australischen Kimberley-Region, die ein Team um Benjamin Kear vom Schwedischen Museum für Naturkunde in Stockholm neu untersucht hat.

Diese Fossilien waren bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren ausgegraben worden und kamen dann in verschiedene australische und US-amerikanische Museen, wo sie als Überreste von einer Art Meeressalamander namens Erythrobatrachus noonkanbahensis eingeordnet wurden. Anschließend gingen die Versteinerungen jedoch in den Archiven verloren, weshalb Kear und Co. sich 2024 erneut auf die Suche nach diesen Fossilien machten. Im Western Australian Museum war ein Abdruck eines der Fossilien erhalten geblieben, die Wissenschaftler stöberten allerdings auch noch ein Originalstück an der University of Berkeley auf.

Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass es sich nicht um eine, sondern zwei Arten dieser frühen Amphibien handeln musste: Neben der 1972 bestimmten Art Erythrobatrachus noonkanbahensis identifizierten die Wissenschaftler einen zweiten, bereits bekannten Vertreter der sogenannten Temnospondyli, ein Tier namens Aphaneramma. Beide besaßen einen 40 Zentimeter langen Schädel und waren ähnlich groß. Doch die Form ihrer Köpfe unterscheidet sich so stark, dass die Tiere sehr wahrscheinlich unterschiedliche ökologische Nischen besetzen. Erythrobatrachus noonkanbahensis war sehr kräftig gebaut und wahrscheinlich ein Spitzenräuber im damaligen Ökosystem. Aphaneramma hingegen könnte sich mit seiner sehr langen, spitzen Schnauze auf den Fang von kleineren Fischen spezialisiert haben.

Diese beiden Arten gehören in die Gruppe der Trematosauria, die wiederum ein ausgestorbener Teil der Temnospondyli sind. Überreste von Trematosauria finden sich weltweit in marinen Ablagerungen – es handelte sich also um sehr erfolgreiche Tiere. Überreste von Aphaneramma fanden sich beispielsweise in Russland, Madagaskar, Pakistan und Spitzbergen. Sie tauchten schon eine Million Jahre nach dem Perm-Massenaussterben auf, konnten sich also sehr rasch nach dieser Katastrophe global ausbreiten und verschiedene ökologische Nischen besetzen. Erythrobatrachus noonkanbahensis kennt man bislang dagegen nur aus Australien.

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  • Quellen
Kear, B. et al., Journal of Vertebrate Paleontology 10.1080/02724634.2025.2601224, 2026

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