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Pandemiebekämpfung: Covid-19 könnte weltweit ausgerottet werden

Der Vergleich mit zwei erfolgreich bekämpften Viren zeigt, dass Sars-CoV-2 besiegt werden kann. Allerdings würde eine solche Kampagne sehr lange dauern und könnte auch scheitern.
Schnelltest an einer Straße in Taiwan. Das Land war bisher kaum von Covid-19 betroffen und gilt als Vorbild bei einer möglichen Ausrottungskampagne.

Dass sich auch Geimpfte noch mit Sars-CoV-2 anstecken können, ist kein grundsätzliches Hindernis für die weltweite Ausrottung des Pandemievirus. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Nick Wilson von der University of Otago in Neuseeland anhand einer vergleichenden Analyse von Pocken, Polio und Covid-19. Wie sie in »BMJ Global Health« schreibt, ist Sars-CoV-2 demnach zwar deutlich schwerer zu besiegen als die Pocken, aber immerhin leichter als das Kinderlähmungsvirus, das nach einer globalen Ausrottungskampagne nur noch in zwei Ländern auftritt. Die Fachleute berücksichtigten für ihre Analyse 17 Faktoren, neben den Impfstoffen zum Beispiel auch, wie effektiv Maßnahmen waren, wie gut Regierungen über die Pandemie kommunizierten und wie gut der Infektionsschutz in der Bevölkerung funktionierte. Dabei kamen Pocken auf 2,7 von drei Punkten auf der Ausrottbarkeitsskala des Teams, Covid-19 auf 1,6 und Polio lediglich auf 1,5.

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Insbesondere sei keine Herdenimmunität notwendig, um das Virus loszuwerden, argumentieren die Fachleute. Mit ihrer Analyse stellen sie sich gegen die Ansicht der meisten Fachleute, die inzwischen davon ausgehen, dass Sars-CoV-2 nicht mehr verschwinden wird. Die Gruppe um Wilson verweist dabei darauf, dass diverse Länder während der Pandemie ohne Impfung zeitweilig frei von Covid-19 waren und sind. Diese zeige, dass es zumindest prinzipiell möglich sei, Covid-19 zu besiegen. Außerdem seien viele andere Seuchen in Teilen der Welt verschwunden, obwohl es gegen sie bisher überhaupt keine Impfung gibt, erklären Wilson und sein Team. Ein mögliches Problem seien die neu entstehenden Virusvarianten, die den Impfschutz teilweise aushebeln könnten. Dem könnten aber angepasste Impfstoffe entgegenwirken.

Im Vergleich mit dem sehr schwer zu bekämpfenden Poliovirus ist die globale Bekämpfung von Covid-19 in manchen Punkten einfacher. Kinderlähmung verläuft in etwa drei Vierteln der Fälle völlig asymptomatisch, und wenn Symptome auftreten, sind sie in den meisten Fällen viel unspezifischer als bei Covid-19. Deswegen sind Fälle sehr schwer aufzuspüren. Die Impfung gegen Polio ist nicht vollständig effektiv und kann, weil es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, sogar ihrerseits die Erkrankung auslösen. Ein weiterer Aspekt ist, dass für Covid-19 weltweit mehr Bewusstsein besteht als für Pocken oder Polio zu Beginn der jeweiligen Ausrottungskampagnen; so gibt es bereits jetzt sehr effektive Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus.

Allerdings stehen der globalen Ausrottung von Covid-19 auch einige Hindernisse entgegen, berichtet die Arbeitsgruppe. Sie wäre zum einen sehr teuer und aufwändig; der Nutzen könne zwar die Kosten überwiegen, doch ob das tatsächlich der Fall ist, müssten detailliertere Analysen zeigen. Zum anderen ist unklar, wie groß der Widerstand gegen die Bekämpfung des Virus wäre; sie hätte wohl mit aggressiven wissenschaftsfeindlichen Bewegungen zu kämpfen, vermuten die Fachleute. Weitere mögliche Probleme seien die entstehenden Varianten beim Coronavirus und die Möglichkeit, dass sich das Virus in Haus- oder Wildtieren etabliert und von dort wieder Menschen infiziert. Die Möglichkeit, dass die Kampagne an solchen Faktoren scheitert, sei durchaus real und müsse bei der Nutzenanalyse berücksichtigt werden, schreibt das Team um Wilson.

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