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News: Papa singt am schönsten

Normalerweise lernen junge Singvögel ihre Lieder von den Nachbarn, und die Rufe der Hennen und Hähne unterschieden sich nicht voneinander. Doch es gibt auch Vögel, die bei der Wahl des Vorbildes extrem wählerisch sind. Bei den südamerikanischen Pantherzaunkönigen lauscht der Sohn nur dem Vater und die Tochter der Mutter.
Als der Biologe Jordan Price von der University of North Carolina in Chapel Hill auf einer Rinderfarm südlich von Caracas in Venezuela Vögel beobachtete und dabei ihren Gesang auf Tonband aufzeichnete, stellte er fest, daß männliche Pantherzaunkönige ihre Rufe nur von ihren Vätern erlernen, die Weibchen dagegen ausschließlich von ihren Müttern. Nach seiner Aussage ist an der Entdeckung einzigartig, daß die Lautäußerungen sowohl das Geschlecht als auch die Blutsverwandtschaft widerspiegeln können. Er beschrieb "seine und ihre" stimmliche Ausbildung als "bemerkenswertes Beispiel von geschlechtsspezifischem Lernen." Nach seiner Erfahrung stimmen Rufe von Männchen und Weibchen derselben Familie niemals überein.

Im Verlaufe seiner fünfjährigen Feldstudie nahm Price mehr als 10 000 Zaunkönig-Rufe auf und analysierte sie. Sein Doktorvater, der Ornithologe R. Haven Wiley, nannte die Töne vor zwei Jahrzehnten "WAY" Rufe, weil sie so ähnlich klingen wie wenn ein Mensch mit verstopfter Nase fragt: "Where are you? Where are you?"

Price untersuchte ungefähr 30 Gruppen von Zaunkönigen. Aufgrund umfassender Tonbandaufnahmen, die mehr als 24 Jahre zurückreichen, sowie DNA-Untersuchungen, aus welchen die Familienstammbäume ersichtlich waren, lagen bereits umfangreiche Informationen über die Verwandtschaftsverhältnisse der Vögel vor. "Zweimal entdeckte ich zwei Männchen, die mehr als einen Kilometer voneinander entfernt lebten und nahezu identische Rufe aufwiesen. Als ich Unterlagen aus den siebziger Jahren anschaute, entdeckte ich, daß sie denselben Urgroßvater väterlicherseits hatten."

Weder Männchen noch Weibchen kopierten Rufe aus dem Repertoire des anderen Geschlechts oder irgendeines anderen Vogels als dem Elternteil desselben Geschlechts, berichtet er in der Ausgabe vom 22. März 1998 der Proceedings of the Royal Society of London. "Fast alle Singvögel, die bisher studiert wurden, lernen ihre Lieder von Nachbarn, mit denen sie nicht verwandt sind", sagte Price. "Dieses neue System bei den Pantherzaunkönigen bringt einen ins Grübeln. Warum lernen die Töchter nicht von ihren Vätern und warum lernen die Söhne nicht von ihren Müttern? Was ist so wichtig daran, daß sie nur vom selben Geschlecht lernen und nicht vom anderen?"

Vielleicht hindert das Verhalten eng verwandte Vögel irgendwie daran, sich zu paaren, mutmaßt er. Da Männchen und Weibchen optisch nicht unterschieden werden können, wäre es möglich, daß der Ruf sowohl die Verwandtschaft als auch das Geschlecht enthüllen muß.

Pantherzaunkönige werden "kooperative Brüter" genannt, weil sie in Familienverbänden leben, die ihr Territorium gemeinschaftlich verteidigen. Innerhalb jeder Gruppe fungieren das dominante Männchen und Weibchen als vorrangiges Brutpaar, während bis zu zwölf andere Vögel – gewöhnlich älterer Nachwuchs – nicht brüten, aber beim Nestbau und der Fütterung der Jungen helfen. Wenn die dominanten Vögel sterben, wetteifern die Helfer um ihren Platz als Brüter.

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