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Naturschutz: Parasiten aus Fischfarmen gefährden Wildlachse

Lachse
Parasiten aus Zuchtfarmen breiten sich offenbar in weitaus größerem Umfang auch unter wild lebenden Lachspopulationen aus als gedacht. Im Umkreis von dreißig Kilometern um den industriellen Fischbetrieb kommt es häufig zum Anstieg von Infektionen mit Ruderfußkrebsen bei den wildlebenden Junglachsen. Die Schmarotzer Caligus clemensi und Lepeophtheirus salmonis besiedeln die Haut des Fisches und verursachen Läsionen. Schon wenige Exemplare des gerade einmal ein paar Millimeter großen Parasiten können das Wirtstier so schwächen, dass es stirbt. In der Natur findet sich der Schmarotzer nur selten an Jungtieren.

Bei der Feldstudie im kanadischen British Columbia konnten Forscher der Universität Alberta jetzt mit neuen Messmethoden erstmals den Einfluss von Fischfarmen auf die Verbreitung dieser parasitiären Ruderfußkrebsart bei Wildlachsen dokumentieren. Dabei verfolgte das Team um Marty Krkosek über 5500 junge Wildlachse über sechzig Kilometer auf ihrer Wanderung, die durch das Gebiet einer Fischzuchtanlage führte. Die Ergebnisse zeigen den weit reichenden Einfluss einer einzigen Lachsfarm, erklärt Krkosek nach der Auswertung dieser enormen Datenmenge. Die Häufigkeit der Parasiten in der untersuchten Farm lag 30 000 Mal so hoch wie unter natürlichen Gegebenheiten. Die Schmarotzer verbreiteten sich dann bis zu dreißig Kilometer in den Gewässern um die Farm herum. Das Infektionsrisiko für junge Wildlachse in diesem Gebiet war 73 Mal so hoch wie in vergleichbaren Regionen ohne nahe gelegene Fischfarm.

Dieses Ergebnis bringt neue Argumente in den Streit um die ökologischen Folgen von Fischfarmen, die gerade in British Columbia besonders kontrovers diskutiert werden. Das weltweit einzigartige Küsten-Ökosystem an der Westküste Kanadas birgt besonders reichhaltige Wildlachsbestände. In den Kiesbetten der unzähligen Bäche und Flüsse laichen fünf verschiedene pazifische Lachsarten. Naturschützer sehen diese von den sich ausbreitenden Fischfarmen bedroht. Die Lachs-Industrie findet sich vor allem im Küstenbereich zwischen Vancouver Island und dem Festland. Die Größe einzelner Lachsfarmen kann bis zu eine Million Lachse betragen.

Doch beziehen sich die Ergebnisse dieser Studie nicht alleein auf kanadische Verhältnisse, sie gelten für Fischfarmen in Europa oder Skandinavien gleichermaßen. Parasiten seien ein genereller Negativeffekt von Fischfarmen, sagt Andrew Dobson, Epidemiologe an der Princeton-Universität: Wissenschaftler haben auch in der Nähe von Farmen in Irland, Schotttland oder Norwegen einen Anstieg von Parasiten festgestellt.

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