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Genetische Ökologie: Parasiten verursachen horizontalen Gentransfer zwischen Pflanzen

Wissenschaftler der Universität Indiana identifizierten in Wegerichgewächsen Gene, welche die Pflanzen von an ihnen parasitierenden Gewächsen übernommen haben müssen. Nachdem bereits im Sommer dieses Jahres der Beweis erbracht worden war, dass umgekehrt auch Pflanzenschmarotzer Gene von ihren Wirten aufnehmen, sei damit die Möglichkeit eines horizontalern Gentransfers zwischen unterschiedlichen Spezies über den Umweg eines parasitischen Überträgers belegt.

Die Forscher hatten die Sequenz bestimmter nicht aktiver Genkopien im mitochondriellen Genom von Plantago-Pflanzen, einem Wegerich, untersucht. Diese Sequenzen entsprachen denen von Cuscuta-Spezies, einem pflanzlichen Schmarotzer aus der Seidennesselfamilie, der weltweit auch an Plantago parasitiert. Dabei entsteht offenbar ein derart enger Kontakt zwischen Zellen beider Spezies, dass Mitochondrien und ihre DNA übertragen werden können, so die Wissenschaftler.

Nach molekularen Analysen sind die Gene des Parasiten vor nur wenigen Millionen Jahren in das Genom des Wegerichs integriert worden, also aus Evolutionssicht jüngerer Zeit. Die identifizierten Sequenzen existieren in den Pflanzen als nicht aktive Pseudogene neben der funktionsfähigen, pflanzeneigenen Variante des Gens.

Bislang war über die Mechanismen, die zu einem Gen-Austausch zwischen unterschiedlichen Pflanzenarten führen, noch wenig bekannt. Ein möglicher horizontaler Gentransfer auf wildlebende Spezies wird häufig als Argument gegen die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen im Freiland genannt. Kritiker von Freisetzungsversuchen befürchten beispielsweise, dass Resistenzgene auf diese Weise in wildlebende Arten überspringen könnten.

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