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Parasiten: Woher stammt der explosive Durchfall in den USA?

In den USA breitet sich eine Parasiteninfektion aus, die für massiven Durchfall sorgt. Spuren deuten auf einen Salatanbauer und eine bestimmte Fast-Food-Kette hin.
Fluoreszenzmikroskopisches Bild von Zellen, das eine kontrastreiche Darstellung zeigt. Eine Zelle in der Mitte ist in leuchtendem Rot hervorgehoben, umgeben von mehreren bläulich-grünen Strukturen. Die Aufnahme hebt die Unterschiede in der Zellstruktur und -färbung hervor, was auf spezifische biologische oder chemische Prozesse hinweisen könnte.
Oozysten von Cyclospora cayetanensis in einer Stuhlprobe: Das mikroskopisch sichtbare Entwicklungsstadium des Parasiten wurde zur besseren Erkennbarkeit eingefärbt.

Ein mikroskopisch kleiner Parasit in kontaminierten Lebensmitteln verdirbt in den USA zahlreichen Menschen den Sommer 2026 – es handelt sich um den bislang größten Ausbruch dieser Art in der Geschichte des Landes. Die Gesundheitsbehörden konnten die Quelle bisher nicht eindeutig bestimmen, doch Behörden des Bundesstaats Michigan, der die meisten Infektionen meldet, signalisieren, dass Salat oder Blattsalate der Auslöser sein könnten.

Seit dem 1. Mai wurden bis Mitte Juli 1645 Infektionen mit dem Parasiten Cyclospora cayetanensis bestätigt, weitere 5100 Verdachtsfälle werden noch untersucht. Diese in kurzer Zeit erfassten Zahlen übersteigen bereits die üblichen Durchschnittswerte früherer Jahre seit Beginn systematischer Erhebungen, erklärt der Molekularparasitologe Joel Barratt von der Emory School of Medicine in Atlanta. Mehr als 100 Erkrankte mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, Todesfälle sind bislang nicht bekannt.

Ein Hemmnis beim Versuch, den Ausbruch zu erklären, ist laut Barratt, dass »die Zahl der Mitarbeiter, die an solchen Ausbrüchen arbeiten, nicht mehr so hoch ist wie früher«. Barratt leitete acht Jahre lang das Parasiten-Überwachungsteam bei den US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, bevor er die Behörde vor zehn Monaten verließ. Unter Präsident Donald Trump waren zahlreiche Mitarbeiter entlassen oder zum freiwilligen Ausscheiden gedrängt worden, um die Verwaltung zu verkleinern.

Wie macht Cyclospora Menschen krank?

C. cayetanensis ist ein intrazellulärer Parasit, der in die Zellen seines Wirts eindringt – vor allem in jene der Darmschleimhaut. Dort vermehrt er sich rasch und schädigt dabei das Gewebe. Es kann eine Woche oder länger dauern, bis der Parasit seinen Lebenszyklus abgeschlossen hat und die Symptome auftreten.

Das typische Anzeichen ist wässriger Durchfall, der durch eine Entzündung der Darmschleimhaut entsteht. Diese Entzündung stört die Fähigkeit des Körpers, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, sodass überschüssige Flüssigkeit über den Darm ausgeschieden wird. Die Infektion klingt meist ab, wenn das Immunsystem den Parasiten aus dem Körper verdrängt – die meisten Erkrankten benötigen daher keine Behandlung. Dennoch können die Beschwerden Wochen oder sogar Monate andauern.

Als Haupttherapie setzen Ärzte das Kombinationsantibiotikum Trimethoprim-Sulfamethoxazol (unter dem Handelsnamen Bactrim) ein. Obwohl Antibiotika normalerweise nicht gegen Parasiten wirken, entzieht Bactrim Cyclospora ein für die Vermehrung essenzielles Vitamin.

Wie gelangt Cyclospora in Lebensmittel?

Eine Infektion mit dem Parasiten entsteht durch den Verzehr von Lebensmitteln oder Wasser, die mit menschlichen Fäkalien verunreinigt sind. Der Erreger vermehrt sich über oozystenartige Strukturen, die im Stuhl ausgeschieden werden. Diese Oozysten sind zunächst nicht infektiös, sondern müssen erst in einer warmen Umgebung bei 22 bis 32 Grad Celsius ein bis zwei Wochen reifen – weshalb Ausbrüche üblicherweise im Sommer auftreten.

Cyclospora kommt vor allem in tropischen Regionen vor, und frühere Ausbrüche in den USA standen oft im Zusammenhang mit importierten Lebensmitteln aus solchen Gebieten. Doch zunehmend wird das Problem auch im Inland relevant. Die Ausbrüche 2018 und 2020 in den USA wurden mit Produkten in Verbindung gebracht, die vermutlich im Land selbst angebaut wurden. Das deutet darauf hin, dass sich der Parasit über seine bisher bekannten Endemiegebiete hinaus ausbreitet.

Barratt erklärt, dass die Kontamination meist auf mangelhafte sanitäre Bedingungen zurückzuführen ist. So kann beispielsweise ungeklärtes Abwasser landwirtschaftliche Böden verunreinigen, oder Erntehelfer ohne Zugang zu Toiletten verrichten ihre Notdurft in oder nahe bei den Feldern. Besorgt ist der Wissenschaftler vor allem über die wachsende Zahl und Größe der Ausbrüche. »Sie scheinen von Jahr zu Jahr zuzunehmen«, sagt er. Als mögliche Ursache wird auch der Klimawandel diskutiert, der für die Reifung der Oozysten günstigere, wärmere Bedingungen schafft, wie Studien nahelegen.

Der Mikrobiologe Jitender Dubey vom US-Landwirtschaftsministerium in Beltsville, Maryland, betont, dass weitere Untersuchungen zur Nutzung von Latrinen in landwirtschaftlichen Betrieben und regelmäßige Stuhlproben von Erntehelfern dazu beitragen könnten, die Ausbrüche besser zu verstehen. Ebenso wichtig sei es, zu prüfen, ob auch symptomfreie Infizierte den Parasiten übertragen können.

Wie versuchen Forscher, die Quelle des Ausbruchs zu ermitteln?

Die Nachverfolgung von Cyclospora erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsbehörden der Bundesstaaten und der Bundesregierung. Zunächst sammeln staatliche Labore Stuhlproben von Erkrankten und schicken sie an Bundeslabore. Bei positivem Befund ermitteln die Behörden, wann die Symptome begannen und welche Lebensmittel die Betroffenen in den Wochen zuvor verzehrt haben.

Bioinformatiker sequenzieren dann die DNA der Parasiten und ordnen die Proben nach genetischer Ähnlichkeit. Finden sie eine Gruppe von Infizierten mit verwandten Parasitenstämmen und zeitlich nahe beieinanderliegenden Erkrankungen, deutet das auf eine gemeinsame Infektionsquelle hin. So konnten Wissenschaftler 2013 einen Ausbruch in den USA auf eine Salatmischung zurückführen, die in zwei Restaurantketten serviert wurde. Dabei stellte sich heraus, dass der Parasit über Eisbergsalat und Römersalat aus Mexiko verbreitet wurde.

Auch 2026 weisen die Spuren nach Mexiko, wie die »New York Times« berichtet: Ein Produzent habe laut der CDC zerkleinerten Salat an Taco-Bell-Filialen in Indiana, Kentucky, Michigan, Ohio und West Virginia geliefert. In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Mitteilung warnte die Behörde die Öffentlichkeit davor, den Eisbergsalat in Taco-Bell-Restaurants in diesen Bundesstaaten zu verzehren. Mehr als 1644 Menschen gaben an, vor ihrem Krankheitsausbruch bei Taco Bell gegessen zu haben. Laut CDC wurden 94 von ihnen aufgrund der Parasiteninfektion ins Krankenhaus eingeliefert.

Warum ist dieser Ausbruch so groß?

Barratt beschreibt die Bekämpfung eines Cyclospora-Ausbruchs als Wettlauf gegen die Zeit. Die Verzögerung zwischen dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel und dem Auftreten der Symptome erschwere die Suche nach der Quelle, ergänzt Dubey. Zudem haben frische Produkte nur eine begrenzte Haltbarkeit, sodass die Gesundheitsbehörden schnell handeln müssen – sonst landen die belasteten Lebensmittel im Müll, bevor sie identifiziert werden können.

Die Entlassungen in Bundesbehörden unter der Trump-Regierung 2025 hätten die Reaktionsfähigkeit weiter eingeschränkt, sagt Barratt. So schrumpfte sein ehemaliges Team bei der CDC, das die Parasitenproben analysiert, von elf auf nur noch drei Wissenschaftler. Mit weniger Personal dauere die DNA-Sequenzierung und Befragung der Betroffenen länger, wodurch kontaminierte Lebensmittel in Geschäften und Restaurants verbleiben und mehr Menschen erkranken. »Der Ausbruch wird nicht so bald enden, solange die Gesundheitsbehörden nicht genau bestimmen können, wo der Parasit in unser Lebensmittelsystem gelangt«, sagt Barratt.

Ein CDC-Vertreter erklärte bei einer Pressekonferenz am 14. Juli, dass die Behörde mit einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen rechne, »möglicherweise bis Ende August«, dem Ende der Saison, in der Cyclospora in den USA am aktivsten ist.

(Aktualisiert durch die Redaktion von Spektrum.de)

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  • Quellen
  • Buss, B. et al., Epidemiology & Infection 10.1017/S0950268815002320, 2016
  • Rees, C., Threlfall, J. Sustainable Microbiology 10.1093/sumbio/qvaf019, 2025

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