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Gesundheit: Passivrauchen der Mutter führt zu Verhaltensproblemen beim Kind

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Kinder zeigen deutlich mehr psychologische Auffälligkeiten, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Zigarettenrauch ausgesetzt waren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Frauen aktiv oder passiv geraucht haben, berichtet Lisa Gatzke-Kopp von der Universität von Washington in Seattle [1].

Für ihre Studie untersuchte die Psychologin 171 Kinder im Alter zwischen 7 und 15  Jahren, die Störungen in ihrem Verhalten zeigten. Neben dem Einfluss des Rauchens berücksichtigte sie auch andere Faktoren wie soziales Umfeld oder Familieneinkommen. Dass schon ein verrauchter Arbeitsplatz dem Nachwuchs schadet, führt Gatzke-Kopp darauf zurück, dass von der Mutter aufgenommenes Nikotin sich im Körper des Kindes anreichert. Vor allem in den letzten zwei Dritteln der Schwangerschaft könnte es dort die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, wie Untersuchungen an Tieren vermuten lassen. Vieles deutet darauf hin, dass Nikotin das Dopaminsystem der Nervenzellen durcheinanderbringt. Der neuronale Botenstoff Dopamin regelt unter anderem das Verhalten und die Wahrnehmung.

Eine Reihe von Veröffentlichungen, darunter der jährliche Bericht des US-Gesundheitsdienstes, warnen immer deutlicher vor den gesundheitlichen Folgen des ungewollten Mitrauchens wie Lungenkrebs, Gefäßverengung und Herzinfarkt. Mehr als 4000 chemische Verbindungen lassen sich im so genannten Nebenstromrauch einer Zigarette nachweisen, darunter über fünfzig krebserregende Stoffe wie Benzol, Schwermetallverbindungen und Vinylchlorid. Da für viele der Giftstoffe im Zigarettenrauch keine Grenzwerte definiert werden können, ließe sich eine Gesundheitsgefährdung von Nichtrauchern nur durch Rauchverbote ausschließen [2]. Studien aus Ländern, in denen solche Regelungen bereits herrschen, belegen dies deutlich. So fiel in Italien die Nikotinbelastung der Atemluft in Gaststätten um 95 Prozent, nachdem 2005 ein Rauchverbot eingeführt wurde [3]. In der Region Piemont ging die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Herzanfällen schon nach einem Jahr um 11 Prozent zurück [4].

Bereits seit 2004 herrscht in Irland ein generelles Rauchverbot in geschlossenen öffentlichen Räumen und an allen Arbeitsplätzen. Dort wird nun eine um 80 Prozent geringere Konzentration an krebserregendem Benzol in der Luft von Pubs gemessen. Bei Nichtrauchern, die dort arbeiten, konnte eine deutlich verbesserte Lungenfunktion und ein klarer Rückgang von Atemwegsbeschwerden festgestellt werden [5]. In Kalifornien ging zwischen 1988 und 2002 die Häufigkeit von Lungen- und Bronchialkrebs viermal so schnell zurück wie im Rest der USA [6]. Der Bundesstaat hatte bereits in den 1990er  Jahren ein strenges Rauchverbot in der Öffentlichkeit eingeführt.

Deutschland hinkt in Sachen Nichtraucherschutz deutlich anderen europäischen Staaten hinterher. Für Regelungen in Gastronomiebetrieben sind hierzulande die einzelnen Bundesländer zuständig, während viele öffentliche Gebäude wie etwa Bahnhöfe im Kompetenzbereich des Bundes liegen. Alleine deswegen werden einheitliche und umfassende Regelungen zum Nichtraucherschutz bei uns weiterhin auf sich warten lassen. (map)
29.06.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 29.06.2007

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