Brutstätten für neue Pandemien: Chinas tickende Zeitbombe

Hinweis der Redaktion: Die Recherche für diesen Artikel wurde vom Pulitzer Center unterstützt.
Ein scharfer, moschusartiger Geruch schlägt mir entgegen, als ich vor dem Haus von Herrn Wang aus dem Taxi steige. Ich treffe ihn nahe der Stadt Tong’erpu in Chinas nordöstlicher Provinz Liaoning. Dort befindet sich eines der landesweit wichtigsten Zentren der Pelztierzucht. Herr Wang begrüßt mich in einem blauen Pullover und einer dazu passenden Mütze. »Ich bin gerade dabei, die Füchse zu füttern«, sagt er.
Gemeinsam betreten wir den Hof seiner Tierfarm, wo etwa 600 Polarfüchse ihre Blicke auf uns richten. Die Tiere sind in langen Reihen von Drahtkäfigen untergebracht und wirken nervös. Ohne Maske, ohne Handschuhe und ohne sonstige Schutzkleidung geht Herr Wang die Reihen entlang und schaufelt einen Brei aus zerkleinertem Fisch, Mais und Tierknochen in die Fressnäpfe der Käfige. Die cremeweißen Füchse mit ihren buschigen Schwänzen verschlingen das Futter laut schlürfend und schmatzend.
Herr Wang bessert mit diesem Betrieb sein prekäres Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit auf – wie so viele andere Farmer in der Region. Doch die Pelztierzucht birgt Risiken. Die Preise für Tierhäute schwanken von Jahr zu Jahr stark. Und immer droht die Gefahr, dass verheerende Krankheiten wie aus dem Nichts zuschlagen. Vor einigen Jahren, erzählt Herr Wang, seien Hunderte seiner Füchse an Durchfall gestorben.
Milliardenschwere Pelztierzucht
China ist neben Europa und den USA einer der weltweit größten Pelzproduzenten. Wirtschaftlich besonders bedeutsam sind Felle von Füchsen, Nerzen und Marderhunden. Im Jahr 2021 beschäftigten chinesische Pelztierzucht-Unternehmen rund sechs Millionen Menschen und hatten einen Gesamtwert von schätzungsweise 60 Milliarden US-Dollar.
Die von Herrn Wang beschriebenen Krankheitsausbrüche kommen auf chinesischen Pelztierfarmen häufig vor. In der Zeit vor der Covid-19-Pandemie sind sie aber kaum je gemeldet, geschweige denn untersucht worden. Die verheerenden Folgen der Seuche haben gezeigt, dass dieses laxe Vorgehen untragbar ist. Seither schauen die verantwortlichen Personen genauer hin.
Studien, die seit der Pandemie durchgeführt worden sind, lassen erkennen, dass bestimmte Erreger dort immer wieder Ausbrüche mit Tausenden toten Tieren verursachen. Es sind Viren, die schwere Fieberzustände mit Thrombozytopenie auslösen, einem Mangel an Blutplättchen. Beim Menschen kann diese Erkrankung, die als SFTS bezeichnet wird (kurz für »severe fever with thrombocytopenia syndrome«), zu Blutungen, Erbrechen, Durchfall und Organversagen führen.
Seit dem ersten berichteten Auftreten im Jahr 2009 scheine das Syndrom immer mehr Menschen zu befallen, sagt Xue-Jie Yu, Mikrobiologe an der Universität Wuhan. Er hat das Virus entdeckt, das die Krankheit verursacht. Allein im Jahr 2025 seien in China rund 5500 bestätigte Fälle von SFTS gemeldet worden – fast dreimal so viele wie noch im Jahr 2020, fügt Yu hinzu.
Die Branche arbeite »extrem risikoreich«, warnen Experten
Der SFTS-Erreger ist nicht das einzige Virus, das im Zusammenhang mit Pelztierzucht auftritt und Anlass zur Sorge gibt. Eine Forschungsgruppe um Shuo Su von der Fudan-Universität in Shanghai hat im Jahr 2024 berichtet: In Pelztierbeständen kursieren viele weitere Erreger, die Menschen infizieren können – darunter Corona- und Influenzaviren. Angesichts von Tierhaltung auf engstem Raum, kaum vorhandener Biosicherheitsstandards und mangelnder Überwachung der Zuchtbetriebe warnen Wissenschaftler wie Eddie Holmes, Virologe an der University of Sydney in Australien, dass die Branche »extrem risikoreich« arbeite.
Pelztierfarmen, betont Holmes, könnten der Nährboden für die nächste Pandemie sein. Die Wissenschaftler stehen vor drängenden Fragen: Wie leicht können sich Viren unter Zuchttieren verbreiten? Welche Krankheiten können sie bei Menschen auslösen? Und inwiefern begünstigen das die momentanen Praktiken in der Tierhaltung?
SFTS ist nicht neu. Anfang der 2000er-Jahre griff in Zentralchina eine mysteriöse Krankheit um sich, die mit Fieber, Durchfall und gefährlichem Blutplättchenmangel einherging. Fast jede dritte Person, die daran erkrankte, starb an dem Syndrom. Familienangehörige seien aus Protest auf die Straße gegangen und hätten von der Regierung verlangt, über die Ursache der neuen Krankheit aufgeklärt zu werden, erinnert sich Xue-Jie Yu, der einst im chinesischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Peking arbeitete.
Ein RNA-Virus verbreitet sich
Im Jahr 2009 begab sich eine Forschungsgruppe um Yu nach Zentralchina, um Blutproben von Patienten mit dem unbekannten Syndrom zu sammeln. Etliche Fachleute hatten ein Bakterium als Erreger vermutet, doch das Team identifizierte stattdessen ein neuartiges RNA-Virus als Krankheitsauslöser. Bei 70 Prozent der hospitalisierten SFTS-Patienten ließen sich entweder der Erreger selbst oder Antikörper dagegen im Blut nachweisen. Für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war das ein hinreichend starkes Indiz, um zu dem Schluss zu kommen, das RNA-Virus stecke hinter der Krankheit.
Die meisten Personen, die sich damit infizierten, lebten in der Nähe von Waldgebieten, in denen es viele blutsaugende Mücken und Zecken gab. Als Yus Team nahezu 6000 Mücken einfing und untersuchte, ließ sich in keiner davon das Virus finden. Ganz anders bei Zecken: Unter jenen, die das Team von Haustieren absammelte, wurde etwa jede 20. positiv auf den Erreger getestet.
Mittlerweile ist die Krankheit auch bei Menschen in anderen asiatischen Ländern aufgetreten, darunter Japan, Südkorea, Thailand und Vietnam
Folgeuntersuchungen haben bestätigt, dass Haemaphysalis longicornis – eine Zeckenart, die verschiedene Wirte befällt – der Hauptüberträger des SFTS-Virus ist. Dutzende Spezies, darunter Nagetiere, Vögel, Ziegen und Rinder, tragen Antikörper gegen diesen Erreger in sich, was darauf hindeutet, dass sie früher schon einmal infiziert gewesen sind. Mittlerweile ist die Krankheit auch bei Menschen in anderen asiatischen Ländern aufgetreten, darunter Japan, Südkorea, Thailand und Vietnam. Die meisten SFTS-Fälle jedoch verzeichnet China, wo es schon Dutzende Male vorkam, dass infizierte Personen das Virus auf andere übertrugen. Nach neueren Daten endet die Krankheit etwa in jedem fünften Fall tödlich.
Im Herbst 2023 verbreitete sich auf Social Media die Nachricht, auf Farmen im Osten Chinas würden massenhaft Füchse verenden. Die Tiere sonderten Nasensekret ab, verloren ihren Appetit und schieden schwarzen Kot aus, bis sie – wenige Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome – starben. Praktisch jeder Zuchtbetrieb war davon betroffen; manche verloren bis zu einem Drittel ihres Tierbestands.
Fast alle getesteten Füchse waren infiziert
Shi Weifeng, Virologe an der Shanghai Jiao Tong University of Medicine, wollte wissen, was dort vor sich ging. Der Wissenschaftler, der über Krankheiten forscht, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, initiierte eine Untersuchung. Auf sechs Farmen in den Provinzen Shandong und Liaoning ließ er Abstriche sowie Organproben von kranken und toten Füchsen nehmen. Er analysierte Gewebe aus der Milz, dem Darm, der Lunge und der Nieren der Tiere. Zudem ließ er Proben aus dem Umfeld der Farmen nehmen, beispielsweise aus den Spülbecken und Tierfutterbehältern.
Die Untersuchung ergab, dass alle bis auf einen der getesteten Füchse mit dem SFTS-Virus infiziert gewesen waren. Ihre Körper wiesen klare Anzeichen des Syndroms auf: Die Organe waren geschwollen und von Einblutungen gesprenkelt, Zellen und Gewebe degeneriert.
»Pelztierfarmen könnten der Nährboden für die nächste Pandemie sein«Eddie Holmes, Virologe
Eine Analyse von 13 vollständigen Genomen des SFTS-Virus, gewonnen aus erkrankten Füchsen, zeigte, dass sich die Erreger in drei verwandte, aber klar voneinander abgrenzbare Gruppen einteilen ließen. In einigen Fällen wiesen sie Erbgutfragmente mehrerer anderer Viren auf – wie Legosteine mit verschiedenen Farben, die zu neuen Kombinationen zusammengefügt werden. Ein solcher genetischer Mischvorgang, fachsprachlich als Reassortment bezeichnet, kann Erregervarianten hervorbringen, die ansteckender, tödlicher oder beides zugleich sind.
Weifeng und seine Forschungsgruppe kamen zu dem Schluss, dass in Ostchina offenbar mehrere Linien des SFTS-Virus zirkulieren und immer wieder Füchse befallen. Wie sich die Tiere auf den Farmen infiziert haben, ist allerdings rätselhaft, denn das Team fand bei seinen Untersuchungen nur eine einzige Zecke – und diese trug den Erreger nicht in sich.
Lachmöwen lösen Seuche aus
Etwa zur gleichen Zeit, als in Shandong und Liaoning scharenweise Füchse starben, breitete sich Tausende Kilometer entfernt die Vogelgrippe in Finnland aus. Sie griff auf Pelztierfarmen über und sprang dann wie ein Lauffeuer von einem Zuchtbetrieb zum nächsten. Eine Studie unter der Leitung von Lauri Kareinen, Virologe bei der Finnish Food Authority in Helsinki, brachte diese Ausbrüche mit infizierten Lachmöwen in Zusammenhang. Die Arbeitsgruppe vermutete, die Möwen würden regelmäßig Pelztierfarmen aufsuchen, um dort Futter zu finden. Dabei hätten sie wahrscheinlich ihre Erreger weitergegeben – und die Seuche ausgelöst.
Kareinen fragt sich, ob die SFTS-Ausbrüche auf chinesischen Farmen ebenfalls von infizierten Vögeln oder Nagetieren verursacht werden. Er hält es für denkbar, dass solche Kleintiere von den Abfällen in den Zuchtbetrieben angezogen werden und das Futter der Füchse verunreinigen. Eine weitere Möglichkeit: Einige Rohstoffe, die für die Futtermittelproduktion genutzt werden, könnten von erkrankten Tieren stammen. Laut einer aktuellen Studie können Katzen den Erreger über ihren Speichel weitergeben und damit gesunde Artgenossen anstecken – etwa, wenn sie sich gegenseitig ablecken.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass die dicht gedrängte Haltung auf den Tierfarmen dem Virus ideale Bedingungen bietet, um sich schnell auszubreiten. Die Beobachtungen einer Forschungsgruppe, die den SFTS-Erreger in Zuchtminken nachgewiesen hat, bestätigen das: Wenn ein im Käfig gehaltener Mink erkrankte, zeigten die Minke in seiner Nachbarschaft schon bald ähnliche Symptome und starben kurz darauf.
Fragwürdige Praktiken auf Tierfarmen
Wie immer wieder deutlich wird, macht das SFTS-Virus vor Menschen nicht halt. Im Oktober 2023 und unweit der Farmen, auf denen Shi Weifengs Team das mysteriöse Fuchssterben untersuchte, erkrankte eine 60-jährige Frau; sie litt unter anderem an Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Binnen zweier Tage fiel sie ins Koma und starb eine Woche später. Etwa zur gleichen Zeit wurde eine Kollegin von ihr mit »Fieber unbekannter Ursache« in dieselbe Klinik eingeliefert. Labortests belegten, dass beide Frauen den SFTS-Erreger in sich trugen. Beide waren auf einer Farm angestellt, auf der mehr als 500 Marderhunde, 6000 Nerze und 10 000 Füchse gehalten wurden.
Ein Team unter der Leitung von Yang Zhenghui, Epidemiologe bei der Gesundheitskommission von Weihai (einer Stadt in Shandong), begab sich auf diese Farm, um die dortigen Arbeiter zu befragen, Abstriche von Geräten und Käfigen zu nehmen, nach Zecken zu suchen und die vorangegangenen Ereignisse zu rekonstruieren. Dabei zeigte sich: Keiner der 22 anderen Angestellten war erkrankt. Dennoch trug jeder zweite von ihnen Antikörper gegen das Virus in sich, die auf eine frühere Infektion hindeuteten, und bei einem ließen die Testergebnisse eine aktuelle Infektion vermuten.
Weder auf der Farm selbst noch im Wohnumfeld der Patientinnen fanden Yang Zhenghui und sein Team blutsaugende Zecken. Und weder die erkrankten Frauen noch ihre Kolleginnen und Kollegen konnten sich daran erinnern, von einer Zecke gebissen worden zu sein. Im Gegensatz dazu berichteten drei von je vier Befragten, beim Häuten von Tieren gebissen und mit Blut bespritzt worden zu sein. Daraus geht hervor, dass Pelztiere in China oft immer noch lebend gehäutet werden – obwohl eigentlich vorgeschrieben ist, sie vorher per Stromschlag zu töten.
Es fehlt an grundlegendem Wissen
Die Pelztierzucht sei in China nur unzureichend reguliert, betont Peter Li, Experte für Wildtierpolitik an der University of Houston-Downtown in Texas. Zwar würden auch in Europa und den USA die Sicherheitsvorschriften häufig nur lax durchgesetzt, wenngleich sich hier seit der Covid-19-Pandemie vieles verbessert habe. In China aber fehle es oft schon an grundlegendem Wissen. So stellte Zhenghuis Team fest, dass den befragten Arbeiterinnen und Arbeitern auf der Pelztierfarm kaum bekannt war, wie sie sich bei ihrer Tätigkeit vor Infektionen schützen können – insbesondere beim Häuten von Tieren. Proben aus dem Arbeitsbereich, in dem solche Häutungen stattfinden, darunter Abstriche vom Boden und von einem Mülleimer, wurden positiv auf das SFTS-Virus getestet. Vier von sechs sequenzierten Virusgenomen, gewonnen aus Füchsen und aus dem Arbeitsumfeld der Farm, stimmten sowohl untereinander als auch mit den Erregern in den erkrankten Frauen zu 99,9 Prozent überein, was auf eine gemeinsame Quelle hindeutet.
Yang Zhenghui und sein Team stellen in ihrem Fachartikel die These auf, das Häuten der Pelztiere könne den SFTS-Erreger in Form von Aerosolen freisetzen, die dann in der Luft schweben. Durch Einatmen könnten sich die Arbeiter damit infiziert haben. Wen Hongling, eine Expertin für öffentliche Gesundheit an der Shandong-Universität in Jinan, die an der Studie nicht beteiligt war, hält dieses Szenario für plausibel. Unter der Haut der Tiere, erklärt sie, liege ein dichtes Netz aus feinen Blutgefäßen. Das Abziehen der Haut könne die Flüssigkeiten darin in Form eines Nebels freisetzen, der beim Einatmen in die Lunge gelange. Wen Honglings eigene Studien haben gezeigt: Mäuse, die solchen virushaltigen Aerosolen ausgesetzt werden, infizieren sich mit dem Erreger, der sich dann in ihrer Lunge festsetzt und vermehrt.
Die SFTS-Ausbrüche auf chinesischen Tierfarmen geben Rätsel auf, wie Keun Hwa Lee betont, Virologe an der Hanyang-Universität in Seoul betont. So sei unklar, warum es immer wieder zu Massensterben komme, obwohl die überwiegende Mehrheit der infizierten Tierarten nur wenige Symptome zeige. Abgesehen davon fragen sich Fachleute, welche weiteren potenziell tödlichen Viren wohl noch auf diesen Farmen zirkulieren. Der Virologe Eddie Holmes und seine Kollegen in China und anderen Ländern haben alarmierende Hinweise gefunden. In einer Studie untersuchten sie 461 erkrankte Pelztiere in ganz China – und fanden beinahe 40 Virusarten mit hohem Potenzial, auf andere Tiere einschließlich des Menschen überzuspringen. Nahezu die Hälfte dieser Erreger wurden in Shandong nachgewiesen, wo die größten Produzenten von Nerz- und Fuchsfellen ihren Sitz haben. Eine weitere Forschungsstudie, in der Fachleute beinahe 2000 Wildtiere aus ganz China untersucht haben, fand Anhaltspunkte dafür, dass Coronaviren dort oft von einer Spezies auf eine andere überspringen, etwa von Hunden auf Marderhunde.
Holmes beklagt die unzureichenden Biosicherheitsstandards in der Pelztierzucht, die Krankheitserregern das Überspringen auf Menschen enorm erleichtern. Beispielsweise zeigt ein Video, das von chinesischen Kollegen aufgenommen wurde, wie Marderhunde mit schweren gastrointestinalen Infektionen von Farmarbeitern mit bloßen Händen angefasst werden.
Umstrittene Verbote
Etliche Länder haben die Pelztierzucht im Zuge der Covid-19-Pandemie verboten – sowohl aus Gesundheits- als auch aus Tierschutzgründen. Allerdings trifft das bei vielen Fachleuten auf Skepsis. In einigen Weltregionen, sagt Kareinen, sei die Pelztierzucht tief in der Kultur und in familiären Traditionen verwurzelt. In manchen anderen Gegenden sei sie eine wichtige Einnahmequelle. Ein pauschales Verbot birgt die Gefahr, diese Realitäten zu ignorieren und die Branche in den Untergrund zu treiben, wo sie noch schwerer zu überwachen und potenziell noch gefährlicher ist.
Eine realistischere Lösung, meinen viele Expertinnen und Experten, sei eine wirksamere Regulierung chinesischer Pelztierfarmen – und eine massive Verbesserung des Tierschutzes in diesen Betrieben. Nach den Ausbrüchen der Vogelgrippe in Finnland 2023 führten die Verantwortlichen dort eine Reihe verbindlicher Maßnahmen ein, um die Pelztierzucht sicherer zu machen. Dazu gehört es, Netze zum Schutz vor Vögeln zu installieren, Pelztiere in Innenräumen zu halten und das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung verpflichtend zu machen. Kareinen und seine Kolleginnen und Kollegen haben den Häutungsprozess als die riskanteste Phase des Zuchtbetriebs identifiziert, in der Sicherheitsmaßnahmen am strengsten durchgesetzt werden sollten.
Ebenso wichtig ist laut Holmes die regelmäßige Überwachung der Mikroben, die unter Pelztieren und Farmangestellten zirkulieren. Würden wir das zu nachlässig angehen und so den Weg zu einer weiteren weltweiten Pandemie ebnen, käme das seiner Ansicht nach einem gesellschaftlichen Totalversagen gleich.
Auf der Fuchsfarm bei Tong’erpu beobachte ich zwei Tiere dabei, wie sie um Futter kämpfen und dabei immer wieder mit lautem Scheppern gegen die Käfigwand krachen. Herr Wang beklagt, dass sich die Pelzpreise seit der Covid-19-Pandemie immer noch nicht erholt haben, was ihm finanziell zu schaffen mache. Vielleicht, denke ich mir, ist das ein Zeichen eines langfristigen Trends, der die Nachfrage nach Pelzen sowohl in China als auch weltweit immer weiter schwinden lassen wird. Bevor die Pelztierzucht durch Regulierung eingedämmt wird, wird sie vielleicht ganz von selbst auslaufen.
Während ich an den Fuchskäfigen vorbeilaufe, schaudert es mich plötzlich. Jeder dieser Käfige ist eine tickende Zeitbombe. Wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern, wird einer davon irgendwann hochgehen.
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