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News: Permafrost auf dem Mars?

Noch immer gibt es keinen direkten Beweis für größere Mengen Wasser auf dem Mars. Doch zu den vielen Indizien gesellt sich nun ein weiteres. Auf den Bildern von der Marsoberfläche sind Strukturen zu sehen, wie sie hier auf der Erde nur durch das Auftauen großer Eismengen im Untergrund zustande kommen.
Wenngleich der Mars seit Beginn der Vermessungen durch die NASA-Sonde Mars Global Surveyor detaillierter kartiert ist als die Erde, so gibt es noch immer keinen endgültigen Beweis für die Existenz größerer Mengen Wasser. Zwar lassen die "Flusstäler" und "Küstenlinien" kaum daran zweifeln, dass der rote Planet einst ein blauer war, nachgewiesen ist Wasser bislang nur in kleinen Mengen in der Atmosphäre und an den Polkappen.

Nun scheint es so, als ob eben jene Bilder des Vermessungs-Satelliten spektakuläre Details zeigen: Strukturen, wie es sie auch auf der Erde gibt und die hier Folge auftauender Eismassen sind. John Mustard und seine Kollegen von der Brown University in Providence gehen deshalb davon aus, dass es auf dem Mars große Mengen oberflächennahen Eises gibt.

Die Forscher analysierten über 8000 Aufnahmen der Marsoberfläche und stießen dabei auf Oberflächenstrukturen, die sich in zwei Bändern zwischen dem 30. und 60. Grad nördlicher beziehungsweise südlicher Breite um den Planeten ziehen. Auffällig ist, dass es sowohl relativ glatte Ebenen gibt, aber auch solche, die durchsetzt sind von Gruben und Erhebungen und wie ein runzelige Haut aussehen.

Auf der Erde sind die rau erscheinenden Oberflächenformen für Gebiete typisch, in denen einst Permafrost herrschte. Während des Dauerfrosts konnten sich hier beispielsweise Pingos bilden - Eislinsen im Untergrund, die im Laufe der Zeit wuchsen und den Untergrund einige Zehner Meter über die Umgebung anhoben. Nachdem sich das Klima erwärmte, tauten die mehr oder weniger großen Eisblasen auf und hinterließen eine Oberfläche, die aussieht wie ein schlapper Ballon.

Besonders spannend ist, dass die Forscher in diesen Formen einen Hinweis auf sehr junge Klimaveränderungen sehen. Mustard und seine Kollegen gehen davon aus, dass das unterirdische Eis einst bis in zum 30. Breitengrad in Richtung des Äquators vordrang und sich jetzt wieder auf dem Rückzug befindet. Und dies geschieht vermutlich seit gerade einmal 100 000 Jahren, denn damals kam es zu einer deutlichen Veränderung der Achsenneigung des Planeten. Das würde bedeuten, dass es auf dem Mars rasche Klimaänderungen gab und sich Kalt- und Warmzeiten abwechselten.

In den glatten Ebenen sind nach Meinung der Forscher bis heute große Mengen Eis gespeichert. Bis zu zehn Meter sind die Schichten aus Eis und Sediment mächtig, und die Forscher schätzen, dass die Menge ausreichte, den ganzen Mars in zehn bis 40 Zentimeter tiefes Wasser zu tauchen.

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  • Quellen
Nature 412: 411–414 (2001)
EurekAlert

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